Bienen und ihr Leben

Diese Biene ist auf der Suche nach Wasser.

Es ist einfach schön, wie die Bienenhaltung bei den Nachbarn das Auge für Insekten schärft. Anfang der Woche meldete eine Nachbarin, dass sich auf ihrem Balkon ganz viele Bienen aufhielten, die auch in die Ritzen am Haus krabbelten. Was denn da wohl los sei?
Ich schaute es mir direkt an und stellte Parallelen zu einem ähnlichen Erlebnis im vergangenen Jahr fest.

Die Bienen haben Durst!

Wir hatten gerade das Wasser aus dem Schälchen ausgekippt, weil die Bienen darin ertranken, als eine durstige Biene mit ihrer Zunge übers feuchte Glas fuhr.

Bei etwa 12 °C beschien die Sonne die Beuten und auch den Balkon der Nachbarn. Die Bienen flogen ein Schälchen an, in dem die Nachbarn nach einem Umbau provisorisch das Wasser aus dem Regenfallrohr auffingen. Dazu krabbelten einige in die Fuge zwischen Balkonplatten und Hauswand, in der vermutlich wasserspeicherndes Moos gedeiht. Eindeutig: Die Bienen haben Durst!
Seit Tagen hatte es nicht geregnet, Nachtfröste trockneten Pflanzen zusätzlich aus und verhinderten, dass Morgentau die Gräser der Wiese benetzt. Es blühen noch zu wenige Blumen, die Nektar liefern und unpassendes Wetter verhindert den Bienenflug. Schlechte Voraussetzungen also für die Wasserholerinnen, die vor allem für die schlüpfende Brut Flüssigkeit sammeln. Dieses Phänomen kann man also bei besonderer Wetterlage im Frühjahr beobachten. An Ostern soll es noch einmal kalt werden - dann dürfen sich die Nachbarn wieder über Bienenbesuch freuen.

Wir haben die "Tränke" schon einmal hergerichtet:

Wir haben trockene Zweige und Gräser als Schwimmhilfe ins Schälchen gelegt. So finden die Bienen beim Trinken halt und ertrinken nicht. Es ist übrigens ein Suchbild: Wer findet die Biene?

Im vergangenen Jahr hatten wir in Haltern übrigens die vermutlich längste Bienen-Tränke der Welt. Das Video ist absolut sehenswert!
Es ist übrigens nicht nötig, sondern eventuell sogar schädlich, dauerhaft Bienentränken einzurichten. Normalerweise finden Bienen genügend Wasser.

2 Kommentare

Die Waben waren leer, keine Brut, kein Futter bis auf diese mit Pollen gefüllten Zellen.

Ein Anruf einer Nachbarin, die von ihrer Wohnung aus meine Bienen sehen kann, schreckte mich auf: "Kannst Du mal schauen? Bei einem Deiner Völker fliegt nur ab und zu mal eine Biene in die Kiste oder wieder raus, während bei den anderen beiden Hochbetrieb herrscht."
Anfangs war ich noch nicht sonderlich beunruhigt, ein paar Tage zuvor war bei bestem Flugwetter noch alles in Ordnung. Aber tatsächlich, kein Flugbetrieb. Ich hob die Beute an der einen Seite an, dann auf der anderen - sie war viel zu leicht.
Als ich den Deckel anhob, wimmelten keine Bienen unter dem Netz. Gähnende Leere, auch zwischen den Waben, in beiden Zargen kein Leben mehr, bis auf eine handvoll Bienen, die sich träge dahinschleppten.

Auf einer Wabe saßen diese beiden toten Bienen. An ihnen kleben Zuckerkristalle - nehme ich an.

Verhungert?
Ich machte mir die größten Vorwürfe. Augenscheinlich war das Volk verhungert. Hätte ich doch nur eine Woche zuvor den Futterbestand kontrolliert. Aber das hatte ich überhaupt nicht auf dem Schirm, hatte ich doch im Spätsommer reichlich eingefüttert. Gerade dieses Volk hatte das angebotene Futter gut angenommen.

Oder doch eine andere Ursache?
Doch bald wuchsen Zweifel. Wenn ein Volk verhungert, stecken typischerweise Bienen mit den Köpfen in den Zellen, um den letzten Tropfen Honig aufzunehmen. Geschwächt verenden sie dabei und bleiben stecken.
Außerdem hätte auch noch Brut da sein müssen. Aber die Waben waren leer, bis auf ein paar pollengefüllte Zellen. Ich verschloss die Beute mit dem Fluglochkeil, damit sich keine fremden Bienen hinein verfliegen.
Als ich den Futterbestand der beiden Nachbarvölker mit einer Waage kontrollierte, stellte ich fest, dass sie fast noch genauso schwer waren, wie nach der Einfütterung. Seltsam! Wo haben sie das Futter her? Aus der Natur noch nicht, dafür blüht zu wenig und zu selten herrscht Flugwetter.

Tote Bienen und zernagte Wachsdeckel von Brut- und Futterzellen liegen auf dem Gitterboden.

Geschwächt und ausgeräubert
Am nächsten Abend fand das monatliche Treffen unseres Imkervereins Marl-Sickingmühle statt und gemeinsam versuchten wir, die Ursache für den Volktod herauszufinden.
Vieles spricht dafür, dass das Volk geschwächt war und dann von seinen Nachbarn ausgeräubert wurde.
Über die Ursache für die Schwäche kann man nur rätseln. Möglicherweise
- ist die Königin gestorben (keine Brut, Volk entwickelt sich nicht)
- war das Volk durch die Varroamilben und begleitende Krankheiten so geschwächt, dass sie den Räubern nicht standhalten konnten.
- ist die fehlende Brut darauf zurückzuführen, dass die Königin den Zustand des Volkes erkannt - und auch wegen der extrem kalten Temperaturen nicht gestiftet hat.
- hat das Volk die Oxalsäurebehandlung nicht überstanden. (Hoffentlich habe ich nicht überdosiert.) Problematisch kann auch das kalte Wetter sein. Die Oxalsäure bleibt in der Kotblase, bis sie bei gutem Wetter entleert werden kann. Vielleicht war das zu spät?

Wo sind die Bienen hin?
Der Gitterboden war mit einer Schicht toter Bienen bedeckt, doch es waren nicht so viele wie ein ganzes Volk. Bienen sind sehr reinliche Tiere, wenn sie merken, dass sie sterben, verlassen sie den Stock, um ihn nicht zu verunreinigen.
Ob sich gesunde Tiere bei den Nachbarn eingebettelt haben? Keine Ahnung.
Der Tod des Volkes tut mir sehr leid. Ich weiß auch nicht, wie ich ihn hätte verhindern können. Ein winziger Trost: Es hat den Aalstrich-Schwarm erwischt. Dieses Volk entwickelte sich zu Stechern. Oder ging es ihnen im Herbst schon nicht gut, was sich in ihrer Aggressivität niederschlug?

2 Kommentare

Ich freue mich! Flugbetrieb bei allen drei Völkern! Nur in der Mitte, beim eigentlich stärksten Volk von Queen Marlene, war wenig los. Hier bugsierten die Arbeiterinnen noch den Totenfall durch das Mäusgitter nach draußen. Der Menge des Verdeckelungswachses auf der Windel nach zu urteilen, ist hier schon viel Nachwuchs geschlüpft.
Der Temperaturwechsel war gewaltig. Noch am Samstag bibberten wir bei Minus-Temperaturen, am Sonntag genossen wir schon fast frühlingshafte 13,5 Grad.  Für die Bienen mag dieser Wetterumschwung auch überraschend gewesen sein, aber sie sind ja sehr anpassungsfähig und haben gleich die Gelegenheit zum Ausfliegen genutzt.

Reinigungsflug
Was sie dann getan haben, berichtete mir mein Mann heute früh: "Deine Bienen haben auf mein Auto gemacht!!!" Er hatte direkt an der Wiese, quasi 30 m von den Bienenstöcken in der Ausflugschneise geparkt. Es wird nicht das einzige Auto in der Nachbarschaft mit hartnäckigen curryfarbenen Klecksen sein.... Sorry!
Wer den ganzen Winter nicht raus kann, ist beim Reinigungsflug eben nicht wählerisch, was die Toilette angeht....

Aufgeblüht!
Nun noch einen Blick auf die Frühblüher in der Nachbarschaft. Im Uhrzeigersinn von oben links: Krokus mit Bienenbesuch, Purpur-Weide, Zaubernuss (mitte), Kornelkirsche und wieder Krokusse. Die Zaubernuss (Hamamelis) habe ich bereits Mitte Februar fotografiert. Laut Literatur soll die Zaubernuss für Bienen uninteressant sein - ein Beispiel dafür, dass nicht alles, was blüht, eine Bienenweide darstellt. Ich staune, dass die schon aufgeblühten Krokusse die frostige Woche so gut überstanden haben. Neu in der Nachbarschaft ist die Purpur-Weide - ein wichtiger Pollen- und Nektarspender für die Bienen.

Umwelteinflüsse und Pestizideinsatz schädigen Insekten. Es muss dringend gegengesteuert werden.
Harald Klingenbiel (links) morderierte den Abend mit Dr. Martin Sorg.

Wer erinnert sich noch an die Zeit, als nach längeren Autofahrten im Sommer viele Insekten auf der Windschutzscheibe klebten? Heute ist das nicht mehr so. Aber wann hat es nachgelassen? Und was ist die Ursache für den merkbar geringeren Insektenbestand?
Antworten erhofften sich gestern rund 150 Naturfreunde und Imker, die ins Alte Rathaus unserer Stadt kamen, um den Ausführungen von Dr. Martin Sorg zu folgen. Der Biologe und Entomologe hielt auf Einladung von Bündnis 90/Die Grünen einen Vortrag mit dem sachlich-sperrigen Titel "Bestandsrückgänge von Fluginsekten in Offenlandbiotopen der Kulturlandschaft".
Bekannt wurde der Wissenschaftler im vergangenen Sommer, als er die Ergebnisse einer Langzeitstudie des Krefelder Entomologischen Vereins veröffentlichte: Standorte im Offenland im Orbroicher Bruch bei Krefeld wiesen Verlustquoten von 75 % besonders in den Monaten Juli und August auf. Martin Sorg betonte, diese Zahlen seien nicht auf Gesamtdeutschland zu übertragen. Was betroffen macht: Wie es anderswo aussieht, weiß man nicht - denn es gibt keine vergleichbaren offziellen Studien. Der Verein untersuchte die Insektenbestände in Schutzgebieten in NRW, Rheinland-Pfalz und Brandenburg und an diesen Standorten seien Insektenverluste von 20 bis 75 Prozent verzeichnet worden, so Sorg.

Wissenschaftliche Studien fehlen

Einige Thesen zur Ursache des  Insektenschwundes. Sorry für die Qualität der Bilder, aber der Saal war brechend voll - und von hinten gab es kein Durchkommen.... (Foto anklicken - dann wird's größer.)

Ausführlich erklärte der Biologe, wie die Vereinsmitglieder Insekten fangen und ihre Beute auswerten. Er unterstrich dabei seinen wissenschaftlichen Ansatz, denn der Verein wurde häufig in die Ecke der Hobbyforschung und Liebhaberei gerückt.
Die Ursachenforschung für die dramatische Entwicklung wird erschwert, weil Basisdaten an Fallenstandorten nicht erfasst, bzw. zur Verfügung gestellt werden - beispielsweise, welche Pflanzenschutzmittel und Pestizide auf den Äckern rundherum ausgebracht werden.

Als problematisch für den Insektenbestand an den Forschungsstandorten sah er folgende Punkte:
- Pestizide werden auch innerhalb der Schutzgebiete ausgebracht.
- Die Mittel haben heute eine Breitbandwirkung.
- Die Wirkung der Mittel ist um ein Vielfaches höher als früher. Auf einzelne Insektenarten wirkten sie 1000 bis 10000 mal toxischer als DDT.
- Die Substanzen haben zum Teil lange Halbwertszeiten und sie reichern sich in Sedimenten an.
- Viele Mittel sind wasserlöslich.
- Die Schutzgebiete haben von ihrer Form her oft lange Außenlinien mit Kontakt zu Ackerflächen (längliche Form).
- Es kommt zu Kaskadeneffekten: Ausfällen im Artenspektrum, weil einzelne Arten aussterben und als Nahrung nicht mehr zur Verfügung stehen.

Blühstreifen als Insektenfalle
Das war alles schon sehr bedrückend. Martin Sorg bezeichnete die Art, wie mit der Natur umgegangen wird, als "einen großen Freilandversuch" mit vielen Mitteln, deren Wirkung auf Lebensgemeinschaft getestet werde.
Ja, und dann freut man sich  - so als Insektenfreund - dass Landwirte verstärkt Blühstreifen an den Feldern anlegen und muss dann hören, es sei an bestimmten Standorten kontraproduktiv. Ein Blühstreifen direkt an einem konventionell bearbeiteten Acker lockt mit seinen bunten Farben Insekten in einen Lebensraum der für sie nicht geeginet ist. Denn er bietet keine Brut- und Überwinterungsorte. Dabei sind die Blumen unter Umständen mit Pestiziden kontaminiert.

Nun habe ich schon viel ausführlicher berichtet, als ich wollte. Ihr habt sicher bemerkt, dass mir seit einiger Zeit die Gelegenheit zum Bloggen fehlt. Wer noch weiter lesen möchte, schaue hier: Entomologischer Verein Krefeld,
Pestizide und das Ende unserer Insekten, GEO
Insektensterben: Ein ökologische Armageddon, Zeit

2 Kommentare

Die Satteltasche scheint für diesen Schwarm weit und breit das beste Wohnangebot zu sein... (Foto: Huesmann)

Heute gibt es einen Gastbeitrag von Fjonka, die in ihrem Blog regelmäßig von Ihrer Haus- und Hofgemeinschaft in Schleswig-Holstein berichtet. Wir teilen mindestens das Interesse an Bienen und Geflüchteten und tauschen auch schon mal interessante Bücher aus. Das Buch von Seeley hatte ich bereits vorgestellt und mir vorgenommen, mal daraus zu zitieren - Fjonka war schneller! Hier ihr Beitrag über die Wohnungssuche von Bienenschwärmen, den ich netterweise veröffentlichen darf:

"Wenn ein Bienenvolk sich selbst einen Ort zum leben aussuchen könnte, dann würde der so aussehen:

  • Eine Höhle läge mit der Flugöffnung gen Süden
  • hätte ein Volumen von 12-80 Litern (optimal: 40 Liter)
  • das Flugloch hätte etwa 3cm Durchmesser und befände sich etwa 5cm über dem Boden der Höhle.

Dies sind die wirklich wichtigen Kriterien, hat Herr Seeley, von dessen Forschungen ich Euch ja vor kurzem erst berichtet hatte, in langen, schwierigen Experimenten auf einer kleinen Insel herausgefunden, auf der es einerseits keine konkurrierenden Bienen zu seinen künstlichen Schwärmen gab und andererseits ausschließlich von ihm bereitgestellte Nistplätze, die er beliebig variieren konnte. Zusätzlich zu diesen Kriterien würden die Bienen es noch schön finden, wäre ihre Höhle aus Holz und läge sie in über 2,5 Metern Höhe – aber Biens entscheiden sich lieber zB für eine niedrig liegende Höhle, die die richtige Größe und Ausrichtung hat als für eine hochliegende, die zu groß ist.

Wohnungssuche mit Zollstock?
Wie aber finden die Bienen heraus, wie groß eine Höhle ist? Ich berichtete ja schon, daß alte, erfahrene Sammlerinnen beginnen, nach potentiellen Nistplätzen zu suchen, sobald sie dadurch, daß der gesammelte Nektar ihnen von den Stockbienen mangels Platz im Nest nicht mehr abgenommen wird, signalisiert bekommen: es wird Zeit, zu schwärmen. Hat so eine Biene eine Höhlung gefunden, dann geht und fliegt sie die Innenmaße ab (gucken kann sie ja nicht, es ist dunkel in so einem Baum *g*). Was ideal ist, das ist laut Seeley genetisch bestimmt und deshalb nicht Geschmackssache der jeweiligen Späherin. Seeley hat das Verhalten in der Höhle beobachten können (und aufgezeichnet), weil er die Kästen, die er anbot, so gebaut hat, daß das möglich war.
Wenn die Biene meint, diese Höhle sei gut geeignet als Nistplatz, dann tanzt sie daheim den Platz, umso länger, je besser sie ihn findet, und animiert damit Andere, auch „gucken zu gehen“. Auch die kommen heim und tanzen umso länger, je besser der Ort ist. Seeley hat zeigen können, daß mehrere Nistplätze miteinander konkurrieren, und daß es mehrere Tage(!) dauern kann, bis eine Einigung gefunden wurde. Diese Einigung findet nicht über einen Konsens statt, sondern über ein Quorum: wenn eine bestimmtes Maß an Zustimmung für einen bestimmten Ort da ist, wird der genommen, nicht erst, wenn Alle überzeugt sind.

Forscher mit Fantasie
Um das herauszufinden, hat Seeley auch fiese Sachen gemacht wie einen guten Kasten, für den es schon recht viel Zustimmung gab, verschlechtert, indem er zB verschiebbare Wände so verändert hat, daß der vorher tolle Kasten plötzlich zu klein war – und siehe da: schnell verschob sich die Zustimmung beim Tanz. Spannend!
Insgesamt kennen allerdings, bevor der Schwarm loszieht, nur etwa 400 Bienen, 3-4% des Schwarms, den Zielort. Die flitzen, auch das hat Seeley nachgewiesen, am oberen Rand des Schwarmes auf geradem Weg hin und her Richtung Zielort und weisen so den anderen den Weg.
Faszinierend, das!
Rein praktisch ist für mich die ideale Größe und Beschaffenheit des Nistplatzes am interessantesten: 40 Liter Volumen, das ist eine Größe von z.B. 37 x 37 x 35 Zentimetern. Unsere Dadant-Beute mißt ca. 48 x 48 x 28 Zentimeter (der Brutraum), liegt damit also noch im „guten Maß“, ist aber als Idealbeute etwas zu groß. Andererseits verhungern in der Natur deutlich mehr Bienenvölker und sie schwärmen viel schneller, als ein Imker das wollen würde. Deshalb die größeren Beutenmaße."

Hier noch der Titel des zitierten Buches:
Thomas D. Seeley
Bienendemokratie - Wie Bienen kollektiv entscheiden und was wir davon lernen können
S. Fischer Verlag
Taschenbuch: 12,99 €
Hardcover: 22,99 €

4 Kommentare

Mit ihrem Schwänzeltanz verraten die Sammelbienen ihren Schwestern, wo sich eine gute Trachtquelle befindet. Für uns ist der Tanz schön anzusehen. Die Bienen selbst sehen ihn normalerweise nicht, denn im Bienenstock ist es finster. Sie kommunizieren durch die Bewegung und die Vibrationen auf der Wabe.

Noch keine Schwärme
Nun ist schon Mitte Mai und noch immer habe ich nichts von Schwärmen gehört, wo doch viele - bedingt durch die Witterung - ein Schwarmjahr erwarten. Nur hätte ich gerne, dass meine Völker nicht schwärmen und gar nicht erst in Schwarmlaune geraten. Deshalb würde ich von meinem starken Wirtschaftsvolk vom vergangenen Jahr gerne Ableger machen, doch die Bienensachverständige hatte bislang keine Zeit, die Futterkranzprobe zu nehmen. Bis ich das Ergebnis haben werde und die Ableger an einen anderen Ort stellen düfte, wird es nach Probenahme auch noch Wochen dauern....

Wie schlüpfen Bienen? Geht ruckzuck? Nur den Zelldeckel aufknabbern und raus? Von wegen! Allein das Aufknabbern dauert ewig. Und dann geht es erst einmal los mit der Körperpflege: Gesichtchen waschen, Fühler richten und Fellchen putzen...

Ein Blick auf die Völker
Ist das kalt! Und schon so lange. Und es wird noch dauern, bis es wärmer wird. Ich dagegen sitze auf heißen Kohlen. Die Bienen kommen kaum raus, um Nektar und Pollen zu sammeln, im Stock schlüpfen tausende Bienen. Wie sieht es aus? Reicht das Futter? Bauen sie Weiselzellen, um zu schwärmen?
Da ist er wieder, der Zwiespalt zwischen den Betriebsweisen. Das Schwärmen ist ein natürliches Verhalten der Bienen, dient der Völkervermehrung und auch der Gesundheitsvorsorge. Andererseits ist jeder nicht gefangene Schwarm über kurz oder lang dem Tod geweiht (fehlende Höhle, Varroamilbe). Und gerade an diesem Wochenende ist so viel los (z.B. Organisation des Theatertages), dass ich keine Zeit hätte, mich um einen Schwarm zu kümmern.
Hier die Frage, wie weit sich die Tiere meinem  gerade turbulenten Alltag unterordnen müssen?
Bei eigentlich zu kühlem Wetter habe ich gestern ganz fix (deshalb gibt´s auch keine Fotos) Rähmchen gezogen und auf Weiselzellen kontrolliert - keine da.
Aber: In der Trogbeute keine verdeckelte Brut oder Maden und Stifte habe ich auch nicht gesehen. Das liegt vielleicht auch an der neuen Brille, an die ich mich noch nicht gewöhnt habe. Vor zwei Wochen hatte ich eine Weiselzelle entfernt - es war keine Nachschaffungszelle, denn sie hing unten.
Sicherheitshalber habe ich aus einem Nachbarvolk ein Rähmchen mit frischer Brut hineingehängt. Da können sie sich eine neue Weisel ziehen oder nicht. Dazu noch in jede Beute ein Futterrähmchen, damit das Futter nicht knapp wird und ich besser schlafen kann....

Ach, was kann es unter Imkerinnen doch nett sein! Meine Imkerpatin Mechthild lud zum gemeinsamen Frühstück ein - natürlich mit Honig, aber auch Leckereien wie Ziegenkäse und Erdbeermarmelade. Während wir schmausten, schmolz ein erster Wachsklumpen im Wasserbad. Und dann ging es los, das Mittelwandpressen:

Geschmolzenes Wachs wird mit einer zügigen Bewegung auf die Mittelwand-Form gegossen.
Nach etwa 20 Sekunden die Form vorsichtig öffnen und die Mittelwand herausnehmen.
Ein Holzbrett dient als "Schnittmuster" für die Mittelwand. Diese ist für den Honigraum der Bienenkiste meiner Freundin gedacht.

Lässt man Bienen ohne Vorgabe einer Mittelwand bauen, können sie die Größe der Zellen selbst bestimmten und varriieren. Die Stabilisierungsdrähte des Rähmchens scheinen die Bienen kaum zu stören, sie werden einfach umbaut.
Barbara Leineweber von "De Immen" hielt einen interessanten Vortrag über Naturwabenbau.

Für mich ist es immer noch ein Wunder: Bienen schwitzen Wachs aus und formen sich daraus ihr Zuhause. Einzigartig ist dies im Tierreich - kein anderes Tier produziert sein Baumaterial selbst. Darauf wies Barbara Leineweber hin, die beim letzten Treffen unseres Imkervereins Sickingmühle-Marl über die Vorteile des Naturwabenbaus sprach. Wir laden regelmäßig Referenten ein, um uns fortzubilden und neue Anregungen zu bekommen. Barbara Leineweber ist Vorsitzende des Vereins "De Immen" in Gladbeck, die das Wesensgemäße Imkern fördern wollen.
Angesichts des Skandals um gepanschtes Wachs und die Bienengesundheit, war dies ein wichtiges Thema. Leider fehlt mir gerade die Zeit, um ausführlich zu berichten. Aber ich habe noch ein paar Zahlen zum Staunen: Ein Volk benötigt 100000 Zellen, wofür die Bienen 1,5 Mio. Wachsplättchen ausschwitzen (insgesamt 1,2 kg) und jedes einzelne Plättchen vier Minuten lang mit ihren Mandibeln weich kauen und dann verbauen. Wahnsinn!

Ein Blick in die Bienenkiste. Wachsanfangsstreichen geben die Richtung vor - alles weitere bauen die Bienen individuell.

6 Kommentare

Diese Biene nahm auf der Beute ein kurzes Sonnenbad.

Den ersten Hinweis, dass sich in diesen Tagen etwas bei den Bienen tut, fand ich heute früh, als ich die Zeitung reinholte. Vor der Haustür lag bei etwa - 4 °C eine tote Biene. Mal kurz erinnert, wie der gestrige Tag war: kalt und sonnig.

Sonne lockt Bienen
Heute Nachmittag, bei etwa +4 °C ein kurzer Spaziergang an den Beuten vor bei, und tatsächlich: reger Bienenflug bei beiden Völkern auf der Wiese. Die Beuten wurden von der Sonne beschienen. Anders die Trogbeute im Schatten unseres Hauses - dort tut sich nichts. Es ist einfach zu kalt.

Darm entleeren und aufräumen
Die emsigen Bienen hatten schon fleißig den Darm entleert und den Totenfall durch das Mäusegitter nach draußen befördert, was eine anstrengende Arbeit ist. Wenn tote Bienen aus der Wintertraube auf den Gitterboden fallen, bleiben sie dort tage- oder auch wochenlang liegen, bis es endlich warm - oder wie heute sonnig - genug ist, dass sich die Bienen zum Aufräumen hinaustrauen.

Kälte lässt Bienen erstarren
Hoffe, dass Ihnen der kurze Ausflug gut bekommen ist, und sich alle wohlbehalten zurück in die Wintertraube kuscheln können. Denn eigentlich fliegen Bienen bei derart kühlen Temperaturen nicht. Die Kälte lässt die Flugmuskulatur erstarren, die Bienen stürzen ab und erfrieren. In dem Fall ist der Versuch eines kurzen Toilettengangs teuer bezahlt....

In der Natur tut sich auch schon was:

Die Zaubernuss (Hamamelis) blüht bereits, bietet aber keinen Pollen oder Nektar für Bienen. Eine Liste von "Nichtbienenpflanzen" gibt es von Gärtnermeister und Imker Bernhard Jaesch.

Während sich dieser Bodendecker noch mit Eiskristallen ziert:

5 Kommentare

Wachsauflagen können helfen, Erkältungen zu lindern.
Was aussieht, wie geschichtete Teigblätter, sind Wachswickel aus Seide und Bienenwachs.
DSC_0335
Seide aus dem Stoffgeschäft in ca. 20 x 25 cm große Rechtecke schneiden.

Letztens hatte ich einen fürchterlichen Husten, der mich vor allem nachts mit heftigem Hustenreiz quälte. So habe ich mehrere Nächte hintereinander einige Stunden im Sessel sitzend verbracht, weil ich im Liegen keine Ruhe fand.
Und woran habe ich nicht gedacht? An die Wachswickel, die ich im vergangenen Jahr aus dem eigenen Bienenwachs hergestellt und auch schon ausprobiert habe.

Wachswickel wärmen

Helle Waben im Wasserbad schmelzen
Helle Waben im Wasserbad schmelzen.

Dabei hat es mir damals gut gefallen, mit dem Wachswickel auf der Brust auf dem Sofa zu liegen. Wachswickel sollen helfen, Erkältungen zu lindern. Heilsversprechungen darf ich hier ja nicht geben. Aber die Wärme des Getreidekissens, das auf dem Wickel liegt, zusammen mit dem heimeligen Wachsduft tat schon gut und war sehr entspannend. Ganz sicher regt die Wärme auch die Durchblutung an. Und ohne Wachswickel hätte ich mir die zehn Minuten Ruhe wohl nicht gegönnt - allein deshalb lohnt sich der Einsatz für mich...

Seide und Bienenwachs = Wachswickel

Das Seidentuch mit Wäscheklammern fassen und ins heiße Wachs tauchen.
Das Seidentuch mit Wäscheklammern fassen und ins heiße Wachs tauchen.

Schon die Herstellung hat viel Spaß gemacht und ging ganz leicht. Helle Waben, am besten keine Brutwaben, im Wasserbad schmelzen. (Also Topf mit Wasser auf den Herd stellen und eine Schüssel, deren Rand über den Topfrand hinausreicht, hineinsetzen. Darin das Wachs schmelzen).
Den Arbeitsplatz drumherum mit Zeitungspapier und Pergamentpapier auslegen. Die dünne Seide in Rechtecke schneiden. Ein Seitentuch mit Wäscheklammern fassen und in das Wachs tauchen. Schnell herausnehmen und möglichst glatt hinlegen. Dabei ist etwas Fingerspitzengefühl gefragt, denn das Tuch klappt gerne mal um und klebt dann doppellagig zusammen. Das war es schon.

Wärme durch Getreidekissen

Das Wachs erkaltet schnell, die Wachswickel lassen sich stapeln.
Das Wachs erkaltet schnell, die Wachswickel lassen sich stapeln.

Zur Anwendung das Wachstuch auf die nackte Haut legen, mit Pergamentpapier abdecken und ein warmes Getreidekissen darauf legen und genießen.
Die Wachswickel können - einer Person zugeordnet - mehrmals wiederverwendet werden. Ich bewahre sie in einer rechteckigen Plätzchendose im Keller auf - und hoffe, dass ich bei der nächsten Erkältung daran denke.
Jetzt habe ich durchs Schreiben richtig Lust darauf bekommen. Wie wäre es denn, wenn ich direkt in den Keller ginge....?

Insgesamt drei tote Wespen lagen auf der Holzpalette vor dem Flugloch.
Insgesamt drei tote Wespen lagen auf der Holzpalette vor dem Flugloch.

Sorry, dieser Post sollte schon vergangene Woche erscheinen - ist er aber nicht. Also gibt es ihn mit etwas Verzögerung und ich kann mich noch einmal zurücklehnen und habe nicht so einen Druck, den nächsten Post schreiben zu müssen....
Zurück aus dem Urlaub auf Kreta führte der erste Weg zu den Bienen - einmal anklopfen. Bei allen drei Völkern ein kurzes Aufbrausen, dann kehrte wieder Ruhe ein. Soweit ist also alles in Ordnung.
Etwas erstaunt war ich nur von den drei toten Bienen, die bei Marlene vor dem Flugloch lagen. Auf dem Gitterboden waren auch einige tote Bienen zu erkennen, die noch nicht nach draußen geräumt wurden.

Mit letzter Kraft: Abhängen am Briefkasten.
Mit letzter Kraft: Abhängen am Briefkasten.

Großes Glück hatte ich dann heute Nachmittag, als ich in unseren Briefkasten schauen wollte. Am Deckel hing eine Wespe, die hätte mich garantiert gestochen, wenn ich sie gegriffen hätte.

Das ist hoffentlich der natürliche Totenfall, der von den Arbeiterinnen aus dem Stock geschafft wurde.
Das ist hoffentlich der natürliche Totenfall, der von den Arbeiterinnen aus dem Stock geschafft wurde.

Vermutlich handelt es sich bei den toten Wespen um die letzten Arbeiterinnen und Drohnen des Jahres, die nun natürlicherweise sterben. Hungrig suchten sie bei den Bienen nach süßer Nahrung. Und vielleicht hat eine als letzte Mahlzeit noch die andere Hälfte der Biene auf dem Foto rechts oben vertilgt, bevor sie eingegangen oder von den Bienen gestochen wurde. So ist das Wespenleben - nur die Königinnen suchen sich einen Unterschlupf und überleben kalte Temperaturen. Im Frühjahr gründen sie dann neue Völker.
Fast wünsche ich, es wäre schon so weit. Der Temperaturunterschied zu Kreta beträgt locker 10 bis 12 °C....