Autoren-Archive: Gerburgis Sommer

Über Gerburgis Sommer

Ich schwärme für Bienen, liebe Honig und als Journalistin schreibe ich gerne darüber.

1 Kommentar

Beim Besuch einer Biene auf einer Malve wird der Deal zwischen Insekt und Blume deutlich: Futter gegen Befruchtung.

So läuft das: Du befruchtest mich und ich gebe Dir dafür Futter! Bienchen und Blümchen sind gut aufeinander abgestimmt. Die Malve lockt mit leckerem Nektar und "stempelt" der Biene ihre Pollen auf, die diese dann zur Befruchtung der Blume von Blüte zu Blüte und schließlich als Futter in den heimischen Stock trägt.
Doch nicht immer geht es dabei ehrlich zu, wie ich in einem früheren Post mit dem Titel "Bienen beuten Blumen aus" schon einmal beschrieben habe.

Ein Blick auf die Völker
Da die Natur sich in diesem Jahr so weit vor der Zeit entwickelt - mein Schwager kann sich nicht erinnern, schon einmal im Juni die Gerste eingefahren zu haben - wollte ich mich mit einem Blick in die Honigräume vergewissern, dass dort noch genügend Raum ist. Begonnen habe ich beim Ableger, dessen Honigraum gut gefüllt war, die Waben jedoch noch fast unverdeckelt sind. Bei Marlene sah es änlich aus und so habe ich mir Helene gar nicht mehr angeschaut. Es wird wohl reichen, bis zum Schleudern. Mache mir schon Gedanken um den Zeitpunkt - vor oder erst nach dem Urlaub? Wenn man doch nur einen Blick aufs Wetter im August werfen könnte....

Da ich im Augenblick selten zum Schreiben komme, gibt es heute mal eine Bilderschau auf die wichtigsten Ereignisse der vergangenen vier Wochen:

Honigernte: reiche FrühjahrstrachtViele der Honigwaben waren komplett verdeckelt. Ein gutes Zeichen reifen Honigs. So lag der Wassergehalt des Honigs von Queen Marlene (13 kg)  in der DN-Beute bei 17,6 Prozent. Noch besser schnitt Helenes Honig (20 kg) aus der Trogbeute mit sagenhaften 16,7 Prozent ab. Bin sehr zufrieden!

Kreativer WildbauSehr kreativ mutet dieser Wildbau im Honigraum der Trogbeute an. Wie konnte es dazu kommen? Ich hatte bereits fünf Honigwaben entnommen, in der Annahme, zwei Tage später schleudern zu können. Dann verging doch noch eine ganze Woche, bis zur Schleuderung und bis ich die entnommenen Rähmchen wieder einsetzen konnte. In der Zwischenzeit hatten die Bienen begonnen, von unten nach oben neues Wabenwerk anzulegen.

Kompakte BrutnesterBeide Wirtschaftsvölker (Marlene und Helene) entwickelten sich bei dem trockenen Wetter und bei sehr guter Tracht prächtig. Dies spiegeln die schönen Brutnester wider. Also habe ich insgesamt drei Ableger gebildet. Ich musste sie am Stand belassen, weil die Amtstierärztliche Bescheinigung noch nicht vorlag. Mit genügend abgefegten Bienen, haben die Ableger das Fehlen der Flugbienen gut kompensiert.

Frei von Amerikanischer FaulbrutBereits Ende April war die Bienensachverständige vor Ort und hat aus den Völkern Futterkranzproben entnommen. Vier Wochen später erhielt ich die amtstierärztliche Bescheinigung, dass meine Bienen zum Probenzeitpunkt frei von Amerikanischer Faulbrut waren. Damit ist es nun erlaubt, Völker zu verkaufen und mit den Bienenstöcken an andere Orte zu wandern - letzteres möchte ich gar nicht.

Ableger verkauftVier Wochen nach Bildung der Ableger habe ich erstmals hineingeschaut. Meine Erwartung: Inzwischen haben sie eine Königin gezogen (einen Ableger hatte ich bereits mit Weiselzelle gebildet), diese hat ihren Hochzeitsflug überlebt und zu stiften begonnen. Yes! Es hat geklappt, wie das verdeckelte Brutbrett beweist. Hier wandern die Waben die Kiste eines befreundeten Imkers, der mir den Ableger abgekauft hat. Ein weiterer Ableger ging an eine Imkerin und den dritten habe ich behalten. (Foto: Susanne S-W)

(Fast) aktuelles Bild vom BienenstandDies ist nun ein fast aktuelles Bild vom Stand: Links der noch namenlose Ableger mit einem Brut- und einem Honigraum., in der Mitte Queen Marlene (junior - die Alte Königin ist geschwärmt, eine neue hat mit dem Eierlegen begonnen)  mit einem Brut- und zwei Honigräumen und rechts das "Top-Volk" Helene. Hier habe ich die meisten Brutwaben für die Ableger entnommen. Das Volk explodierte förmlich. Damit die Bienen nicht auf die Idee kommen, aus Langeweile zu schwärmen, habe ich ausnahmsweise noch einen zweiten Honigraum aufgesetzt. Dies ist schon grenzwertig, denn er befindet sich in  meiner Augenhöhe - woher soll ich die Kraft zum Herunterheben nehmen, wenn er gefüllt ist???
Inzwischen habe ich auch die Dachkonstruktion angepasst, sodass auch die Seiten der Beute geschützt sind.

1 Kommentar

Schwarmfang mal anders! Die Fangkiste unter die Schwarmtraube halten und das Volk einfach zu fangen, ist ja langweilig. Bienen sorgen immer wieder für Herausforderungen. Die des gestrigen Abends lautete so:
Ein Bienenschwarm ist in eine hohle Linde an einem der Hauptwege des Friedhofs eingezogen. In etwa zwei Metern Höhe  herrscht reger Flugbetrieb, die Reaktionen der Friedhofsbesucher reichen von ängstlich bis interessiert. Und dann ist da noch die junge Frau, die gerne mit dem Imkern beginnen und einen Schwarm einfangen möchte. Wie also kann man den Schwarm aus der Höhle mit der faustgroßen Öffnung bergen?

Unsere Schläge brachten das Holz des Baumes zum Vibrieren - solche Unruhe mögen Bienen gar nicht.

Die Königin muss mit
Bereits zwei Tage zuvor, als der Schwarm gerade eingezogen war, hatte die Neuimkerin versucht, den Schwarm zu fangen. Doch mehr als ein paar Handvoll Bienen konnte sie nicht bergen und zuhause in ihre Einraumbeute geben. Es stellte sich schon bald heraus, dass die Köngin nicht dabei war (Bienen saßen in einer Traube außen an der Beute und am Friedhof herrschte immer noch munterer Flugbetrieb). Ohne Königin kann kein Bienenvolk existieren, aber wie an den Star des Volkes herankommen?

Durch eine etwa faustgroße Öffnung gelangten die Bienen in die Baumhöhle.

Unsere Imkerpatin Mechthild riet uns, es mit einem sogenannten "Trommelschwarm" zu probieren. Eigentlich ist die Bezeichnung irrtümlich, sie beschreibt keine Eigenschaft eines Schwarms, sondern eine Umsiedlungsmethode. Und die ging dann so: Die Neuimkerin siedelte die vorab gefangenen Bienen in eine Doröper Schwarmfangkiste um. Diese platzierten wir auf einer Trittleiter ca. 3 m von der Linde entfernt und öffneten das Flugloch. Direkt flogen schon einzelne interessierte Bienen heran.
Jetzt setzten wir alles daran, es für den Schwarm in der Linde so ungemütlich zu machen, dass die Bienen zu ihren Schwestern und Brüdern in den Schwarmfänger umziehen. Als einziges Lockmittel hatten wir noch etwas frisches Wabenwerk, das ich vor ein paar Tagen aus einem meiner Völker entfernt hatte, in die Fangkiste gelegt.

Trommelschwarm zieht um
Mit dem Smoker räucherten wir in die Höhle und trommelten dann zu dritt mit Besenstielen und Gummihammer auf den Baumstamm. Der klang schon recht hohl. Tatsächlich konnten wir auch Erschütterungen spüren, wenn wir unsere Hände auf den Stamm legten. Die Bienen krabbelten und flogen unruhig umher. Etwa zehn Minuten lang klopften wir war das Zeug hält. Dann brauchten wir eine Pause - ich glaube, die Bienen auch. An den Flug- und Luftlöchern der Fangkiste sammelten sich Bienen, einzelne sterzelten auch, aber eine eindeutige Umzugsbewegung ließ sich nicht beobachten. Im Gegenteil, es sammelten sich wieder mehr Bienen vor der Baumhöhle.

Das Interesse an der aufgestellten Fangkiste mit den vorab gefangenen Brüdern und Schwester war groß.

Also klopften wir weiter- sehr zum Interesse der Friedhofsbesucher ;-). Nach etwa einer Stunde beobachteten wir endlich, dass es vor der Höhle ruhiger wurde und die Bienen vor dem Einflugloch der Fangbeute sterzelten: Die Königin war umgezogen! Ich war wirklich überrascht, dass es funktioniert hat und Erschütterungen und Rauch ausgereicht haben, um den Schwarm zum Umzug zu bewegen. Üblicherweise nutzt man die Methode um Völker z.B. aus der Bienenkiste umzusiedeln. Dieses Video von einem Trommelschwarm zeigt es.
Nun hieß es nochmals warten, bis fast alle Bienen eingezogen waren, dann konnte die Jungimkerin das Volk in ihre Einraumbeute einlaufen lassen. Bin gespannt, was sie heute berichtet!

Das ging aber schnell: Innerhalb eines Tages blühten sämtliche Apfelbäume. Das war in der vergangenen Woche. Es war sommerlich heiß, die Blüten verwelkten schnell. Zudem waren nur wenige Bienen zu sehen - vermutlich konnten die Bienen mit der rasanten Entwicklung nicht mithalten und haben noch zu wenige Flugbienen.
Gestern und heute dezimierten kräftige Gewitter die Blütenpracht. Ob eine Woche Blüte für eine gute Ernte ausreicht?

Königin "Marlene" stiftet jedenfalls fleißig. Habe schon mit der Schwarmkontrolle begonnen.
Vor allem Queen "Helene" in der Trogbeute legt ein gutes Tempo vor - ein riesiges Brutnest und der Honigraum war schon so schwer, dass ich Mühe hatte, ihn herunterzuheben. Sobald es das Wetter zulässt, werde ich etwas Druck herausnehmen und Ableger bilden.

Frisch geschlüpft: Ganz flauschig verlassen junge Bienen ihre Brutkammer.

2 Kommentare

Die Entwicklung der Bienenvölker verläuft parallel zur Entwicklung der Pflanzen: Blühen die Kirschbäume, ist es Zeit, den Bienen mehr Raum zu geben.
Schon am hellen Holz der Rähmchen zu erkennen: In den Honigraum kommen ausschließlich frische Mittelwände.

Jetzt geht es aber los! Die kühle, teils auch sehr nasse Zeit, scheint endlich vorüber zu sein. Seit letzter Woche steigen die Temperaturen kontinuierlich, sollen in der Wochenmitte sogar 28 °C erreichen. Kirschbäume stehen teils schon in voller Blüte, die Apfeläume noch in den Startlöchern. Wärme und Futter sind also vorhanden - in den Bienenbeuten fehlt es an Raum.

Frisches Material für Honigräume
Deshalb habe ich jetzt die Honigräume aufgesetzt. Sie sind bestückt mit frischem Material - neuen Rähmchen mit Mittelwänden, bzw. bereits ausgebauten aber noch nicht befüllten Waben vom Vorjahr. Habe nochmals altes Futter entnommen, damit für die Brut genügend Platz ist. Brut- und Honigraum sind durch ein Absperrgitter getrennt. Die Arbeiterinnen passen hindurch, nicht aber die Königin. Sonst hätte man ruckzuck auch Brut im Honigraum.

In der DN-Beute (links) breiten sich dei Völker vertikal aus - unten zwei Brutzargen, oben der Honigraum. In der nebenstehenden Trogbeute vergrößtert sich das Brutnest horizontal. Etwas unorthodox ist meine Lösung, den Honigraum oben aufzusetzen.

Die Mini Plus-Beute eignet sich zur Bienenhaltung und zur Königinnenvermehrung. In Lembeck gibt es den passenden Kurs.

Heute war ich beim Imkereifachhandel meines Vertrauens - "Imkerei & Imkereibedarf Humme" in 46286 Lembeck. Annika Humme wies mich auf den Mini Plus-Kurs hin, der schon am kommenden Samstag beginnt. Es wäre super, wenn sich noch ein paar Leute anmelden, nur dann kann er stattfinden. Die Zeit läuft: Am Mittwoch ist Anmeldeschluss!

Wie ist es doch mühsam, sich mit prallen Pollenhöschen durch das Mäusgitter zu quälen. Schluss damit!

Vor drei Wochen habe ich festgestellt, dass sich meine beiden verbliebenen Völker beim Futter des eingegangenen Volkes bedient haben. Da wurde es jetzt höchste Zeit, mal einen Blick in die Beuten zu werfen. Wenn die Waben voller Futter sind, kann es passieren, dass der Platz für das wachsende Brutnest nicht ausreicht. Denn die Königin stiftet (legt Eier) was das Zeug hält, wenn es nur endlich Frühling wird.

Kompakte Brutnester

Super! So soll es aussehen: ein Brutnest mit Brut mit allen Stadien - Stifte, Maden, Larven und verdeckelte Brut.
Der Drohnenrahmen ist schon fertig ausgebaut - fehlen nur noch die Stifte.

Der Blick in die Beuten macht mich sehr zufrieden. Die Brutnester reichen über sechs Waben - in der Trogbeute hintereinander, in der DN-Beute zwischen den Zargen.
Allerdings war in der Trogbeute so viel Futter, dass ich - in Anbetracht der guten Wetteraussichten -  zwei Futterrähmchen entnommen habe. Ich möchte ja reinen Honig ernten können und keine Vermischung mit dem Winterfutter provozieren. Bei gutem Flugwetter werden die Sammlerinnen eifrig rausfliegen und Nektar und Pollen eintragen.

Minderwertiges Wachs?

Warum ist die Wabe nicht glatt?

Beunruhigt hat mich lediglich folgende Beobachtung: Auf einer Wabe gibt es am unteren Ende einen Knick im Wabenbau. Hoffe ja nicht, dass ich gepanschte Mittelwände gekauft habe. Dagegen spricht, dass nur eine Wabe betroffen ist.
Ansonsten bauen die Bienen fleißig, auch erste Spielnäpfchen, die vielleicht zu Weiselzellen ausgebaut werden sollen, habe ich entdeckt. Außerdem führten beide Völker den Wabenbau schon unterhalb der Rähmchen weiter.
In der nächsten Woche werde ich die Honigräume aufsetzen. Es soll ihnen ja nicht langweilig werden und an Platz fehlen.
Da die Bienen in den Beuten nun so mobil sind, dass sie sich gegen Eindringlinge wie Mäuse wehren können, habe ich die Mäusegitter vor den Fluglöchern entfernt - freier Flug für Flugbienen!

Diese Biene ist auf der Suche nach Wasser.

Es ist einfach schön, wie die Bienenhaltung bei den Nachbarn das Auge für Insekten schärft. Anfang der Woche meldete eine Nachbarin, dass sich auf ihrem Balkon ganz viele Bienen aufhielten, die auch in die Ritzen am Haus krabbelten. Was denn da wohl los sei?
Ich schaute es mir direkt an und stellte Parallelen zu einem ähnlichen Erlebnis im vergangenen Jahr fest.

Die Bienen haben Durst!

Wir hatten gerade das Wasser aus dem Schälchen ausgekippt, weil die Bienen darin ertranken, als eine durstige Biene mit ihrer Zunge übers feuchte Glas fuhr.

Bei etwa 12 °C beschien die Sonne die Beuten und auch den Balkon der Nachbarn. Die Bienen flogen ein Schälchen an, in dem die Nachbarn nach einem Umbau provisorisch das Wasser aus dem Regenfallrohr auffingen. Dazu krabbelten einige in die Fuge zwischen Balkonplatten und Hauswand, in der vermutlich wasserspeicherndes Moos gedeiht. Eindeutig: Die Bienen haben Durst!
Seit Tagen hatte es nicht geregnet, Nachtfröste trockneten Pflanzen zusätzlich aus und verhinderten, dass Morgentau die Gräser der Wiese benetzt. Es blühen noch zu wenige Blumen, die Nektar liefern und unpassendes Wetter verhindert den Bienenflug. Schlechte Voraussetzungen also für die Wasserholerinnen, die vor allem für die schlüpfende Brut Flüssigkeit sammeln. Dieses Phänomen kann man also bei besonderer Wetterlage im Frühjahr beobachten. An Ostern soll es noch einmal kalt werden - dann dürfen sich die Nachbarn wieder über Bienenbesuch freuen.

Wir haben die "Tränke" schon einmal hergerichtet:

Wir haben trockene Zweige und Gräser als Schwimmhilfe ins Schälchen gelegt. So finden die Bienen beim Trinken halt und ertrinken nicht. Es ist übrigens ein Suchbild: Wer findet die Biene?

Im vergangenen Jahr hatten wir in Haltern übrigens die vermutlich längste Bienen-Tränke der Welt. Das Video ist absolut sehenswert!
Es ist übrigens nicht nötig, sondern eventuell sogar schädlich, dauerhaft Bienentränken einzurichten. Normalerweise finden Bienen genügend Wasser.

2 Kommentare

Die Waben waren leer, keine Brut, kein Futter bis auf diese mit Pollen gefüllten Zellen.

Ein Anruf einer Nachbarin, die von ihrer Wohnung aus meine Bienen sehen kann, schreckte mich auf: "Kannst Du mal schauen? Bei einem Deiner Völker fliegt nur ab und zu mal eine Biene in die Kiste oder wieder raus, während bei den anderen beiden Hochbetrieb herrscht."
Anfangs war ich noch nicht sonderlich beunruhigt, ein paar Tage zuvor war bei bestem Flugwetter noch alles in Ordnung. Aber tatsächlich, kein Flugbetrieb. Ich hob die Beute an der einen Seite an, dann auf der anderen - sie war viel zu leicht.
Als ich den Deckel anhob, wimmelten keine Bienen unter dem Netz. Gähnende Leere, auch zwischen den Waben, in beiden Zargen kein Leben mehr, bis auf eine handvoll Bienen, die sich träge dahinschleppten.

Auf einer Wabe saßen diese beiden toten Bienen. An ihnen kleben Zuckerkristalle - nehme ich an.

Verhungert?
Ich machte mir die größten Vorwürfe. Augenscheinlich war das Volk verhungert. Hätte ich doch nur eine Woche zuvor den Futterbestand kontrolliert. Aber das hatte ich überhaupt nicht auf dem Schirm, hatte ich doch im Spätsommer reichlich eingefüttert. Gerade dieses Volk hatte das angebotene Futter gut angenommen.

Oder doch eine andere Ursache?
Doch bald wuchsen Zweifel. Wenn ein Volk verhungert, stecken typischerweise Bienen mit den Köpfen in den Zellen, um den letzten Tropfen Honig aufzunehmen. Geschwächt verenden sie dabei und bleiben stecken.
Außerdem hätte auch noch Brut da sein müssen. Aber die Waben waren leer, bis auf ein paar pollengefüllte Zellen. Ich verschloss die Beute mit dem Fluglochkeil, damit sich keine fremden Bienen hinein verfliegen.
Als ich den Futterbestand der beiden Nachbarvölker mit einer Waage kontrollierte, stellte ich fest, dass sie fast noch genauso schwer waren, wie nach der Einfütterung. Seltsam! Wo haben sie das Futter her? Aus der Natur noch nicht, dafür blüht zu wenig und zu selten herrscht Flugwetter.

Tote Bienen und zernagte Wachsdeckel von Brut- und Futterzellen liegen auf dem Gitterboden.

Geschwächt und ausgeräubert
Am nächsten Abend fand das monatliche Treffen unseres Imkervereins Marl-Sickingmühle statt und gemeinsam versuchten wir, die Ursache für den Volktod herauszufinden.
Vieles spricht dafür, dass das Volk geschwächt war und dann von seinen Nachbarn ausgeräubert wurde.
Über die Ursache für die Schwäche kann man nur rätseln. Möglicherweise
- ist die Königin gestorben (keine Brut, Volk entwickelt sich nicht)
- war das Volk durch die Varroamilben und begleitende Krankheiten so geschwächt, dass sie den Räubern nicht standhalten konnten.
- ist die fehlende Brut darauf zurückzuführen, dass die Königin den Zustand des Volkes erkannt - und auch wegen der extrem kalten Temperaturen nicht gestiftet hat.
- hat das Volk die Oxalsäurebehandlung nicht überstanden. (Hoffentlich habe ich nicht überdosiert.) Problematisch kann auch das kalte Wetter sein. Die Oxalsäure bleibt in der Kotblase, bis sie bei gutem Wetter entleert werden kann. Vielleicht war das zu spät?

Wo sind die Bienen hin?
Der Gitterboden war mit einer Schicht toter Bienen bedeckt, doch es waren nicht so viele wie ein ganzes Volk. Bienen sind sehr reinliche Tiere, wenn sie merken, dass sie sterben, verlassen sie den Stock, um ihn nicht zu verunreinigen.
Ob sich gesunde Tiere bei den Nachbarn eingebettelt haben? Keine Ahnung.
Der Tod des Volkes tut mir sehr leid. Ich weiß auch nicht, wie ich ihn hätte verhindern können. Ein winziger Trost: Es hat den Aalstrich-Schwarm erwischt. Dieses Volk entwickelte sich zu Stechern. Oder ging es ihnen im Herbst schon nicht gut, was sich in ihrer Aggressivität niederschlug?

2 Kommentare

Ich freue mich! Flugbetrieb bei allen drei Völkern! Nur in der Mitte, beim eigentlich stärksten Volk von Queen Marlene, war wenig los. Hier bugsierten die Arbeiterinnen noch den Totenfall durch das Mäusgitter nach draußen. Der Menge des Verdeckelungswachses auf der Windel nach zu urteilen, ist hier schon viel Nachwuchs geschlüpft.
Der Temperaturwechsel war gewaltig. Noch am Samstag bibberten wir bei Minus-Temperaturen, am Sonntag genossen wir schon fast frühlingshafte 13,5 Grad.  Für die Bienen mag dieser Wetterumschwung auch überraschend gewesen sein, aber sie sind ja sehr anpassungsfähig und haben gleich die Gelegenheit zum Ausfliegen genutzt.

Reinigungsflug
Was sie dann getan haben, berichtete mir mein Mann heute früh: "Deine Bienen haben auf mein Auto gemacht!!!" Er hatte direkt an der Wiese, quasi 30 m von den Bienenstöcken in der Ausflugschneise geparkt. Es wird nicht das einzige Auto in der Nachbarschaft mit hartnäckigen curryfarbenen Klecksen sein.... Sorry!
Wer den ganzen Winter nicht raus kann, ist beim Reinigungsflug eben nicht wählerisch, was die Toilette angeht....

Aufgeblüht!
Nun noch einen Blick auf die Frühblüher in der Nachbarschaft. Im Uhrzeigersinn von oben links: Krokus mit Bienenbesuch, Purpur-Weide, Zaubernuss (mitte), Kornelkirsche und wieder Krokusse. Die Zaubernuss (Hamamelis) habe ich bereits Mitte Februar fotografiert. Laut Literatur soll die Zaubernuss für Bienen uninteressant sein - ein Beispiel dafür, dass nicht alles, was blüht, eine Bienenweide darstellt. Ich staune, dass die schon aufgeblühten Krokusse die frostige Woche so gut überstanden haben. Neu in der Nachbarschaft ist die Purpur-Weide - ein wichtiger Pollen- und Nektarspender für die Bienen.

Der Schnee auf dem Anflugbrett verdeckt das Flugloch bis zur Hälfte.

Heute Nacht hat es bei uns ein wenig geschneit - ca. 5 cm - und das ist ja schon was in Haltern am See! Aber das Wenige reichte, um die Fluglöcher teilweise zu verdecken. Bei den herrschenden Temperaturen unter 0 °C ist das kein Problem für die Bienen - raus wollen und können sie sowieso nicht. Denn ihre Flugmuskulatur ist erst ab ca. 12 °C so richtig beweglich, dass sie fliegen können.
Selbst wenn das Flugloch dicht wäre, würde ich mir noch keine Gedanken machen. Denn die Bienenbeute ist nicht komplett dicht. Der Boden besteht aus einem Gitter - genügend Luft kommt also rein. Da müssten wir schon einen halben Meter Schnee haben, bis bei uns gar nichts mehr ginge und die Belüftung nicht ausreichen würde.
Manche Bienen lassen sich auch bei Temperaturen unter 10 °C zum Ausflug verlocken, wenn die Wintersonne auf die Beute scheint und die Kotblase voll ist. Doch so ein Ausflug wird häufig mit dem Leben bezahlt, wenn unterwegs die Flugmuskulatur verklammt und die Bienen den Rückweg nicht mehr schaffen.
Auf meinem Spaziergang traf ich dann noch Nachbarn, die sich erkundigten, was die Bienen im Winter machen.  Dazu habe ich vor drei Jahren mal ein Interview mit einer Vereinskollegin verfasst: "Im Winter kuscheln die Bienen".

Umwelteinflüsse und Pestizideinsatz schädigen Insekten. Es muss dringend gegengesteuert werden.
Harald Klingenbiel (links) morderierte den Abend mit Dr. Martin Sorg.

Wer erinnert sich noch an die Zeit, als nach längeren Autofahrten im Sommer viele Insekten auf der Windschutzscheibe klebten? Heute ist das nicht mehr so. Aber wann hat es nachgelassen? Und was ist die Ursache für den merkbar geringeren Insektenbestand?
Antworten erhofften sich gestern rund 150 Naturfreunde und Imker, die ins Alte Rathaus unserer Stadt kamen, um den Ausführungen von Dr. Martin Sorg zu folgen. Der Biologe und Entomologe hielt auf Einladung von Bündnis 90/Die Grünen einen Vortrag mit dem sachlich-sperrigen Titel "Bestandsrückgänge von Fluginsekten in Offenlandbiotopen der Kulturlandschaft".
Bekannt wurde der Wissenschaftler im vergangenen Sommer, als er die Ergebnisse einer Langzeitstudie des Krefelder Entomologischen Vereins veröffentlichte: Standorte im Offenland im Orbroicher Bruch bei Krefeld wiesen Verlustquoten von 75 % besonders in den Monaten Juli und August auf. Martin Sorg betonte, diese Zahlen seien nicht auf Gesamtdeutschland zu übertragen. Was betroffen macht: Wie es anderswo aussieht, weiß man nicht - denn es gibt keine vergleichbaren offziellen Studien. Der Verein untersuchte die Insektenbestände in Schutzgebieten in NRW, Rheinland-Pfalz und Brandenburg und an diesen Standorten seien Insektenverluste von 20 bis 75 Prozent verzeichnet worden, so Sorg.

Wissenschaftliche Studien fehlen

Einige Thesen zur Ursache des  Insektenschwundes. Sorry für die Qualität der Bilder, aber der Saal war brechend voll - und von hinten gab es kein Durchkommen.... (Foto anklicken - dann wird's größer.)

Ausführlich erklärte der Biologe, wie die Vereinsmitglieder Insekten fangen und ihre Beute auswerten. Er unterstrich dabei seinen wissenschaftlichen Ansatz, denn der Verein wurde häufig in die Ecke der Hobbyforschung und Liebhaberei gerückt.
Die Ursachenforschung für die dramatische Entwicklung wird erschwert, weil Basisdaten an Fallenstandorten nicht erfasst, bzw. zur Verfügung gestellt werden - beispielsweise, welche Pflanzenschutzmittel und Pestizide auf den Äckern rundherum ausgebracht werden.

Als problematisch für den Insektenbestand an den Forschungsstandorten sah er folgende Punkte:
- Pestizide werden auch innerhalb der Schutzgebiete ausgebracht.
- Die Mittel haben heute eine Breitbandwirkung.
- Die Wirkung der Mittel ist um ein Vielfaches höher als früher. Auf einzelne Insektenarten wirkten sie 1000 bis 10000 mal toxischer als DDT.
- Die Substanzen haben zum Teil lange Halbwertszeiten und sie reichern sich in Sedimenten an.
- Viele Mittel sind wasserlöslich.
- Die Schutzgebiete haben von ihrer Form her oft lange Außenlinien mit Kontakt zu Ackerflächen (längliche Form).
- Es kommt zu Kaskadeneffekten: Ausfällen im Artenspektrum, weil einzelne Arten aussterben und als Nahrung nicht mehr zur Verfügung stehen.

Blühstreifen als Insektenfalle
Das war alles schon sehr bedrückend. Martin Sorg bezeichnete die Art, wie mit der Natur umgegangen wird, als "einen großen Freilandversuch" mit vielen Mitteln, deren Wirkung auf Lebensgemeinschaft getestet werde.
Ja, und dann freut man sich  - so als Insektenfreund - dass Landwirte verstärkt Blühstreifen an den Feldern anlegen und muss dann hören, es sei an bestimmten Standorten kontraproduktiv. Ein Blühstreifen direkt an einem konventionell bearbeiteten Acker lockt mit seinen bunten Farben Insekten in einen Lebensraum der für sie nicht geeginet ist. Denn er bietet keine Brut- und Überwinterungsorte. Dabei sind die Blumen unter Umständen mit Pestiziden kontaminiert.

Nun habe ich schon viel ausführlicher berichtet, als ich wollte. Ihr habt sicher bemerkt, dass mir seit einiger Zeit die Gelegenheit zum Bloggen fehlt. Wer noch weiter lesen möchte, schaue hier: Entomologischer Verein Krefeld,
Pestizide und das Ende unserer Insekten, GEO
Insektensterben: Ein ökologische Armageddon, Zeit