Nein, nein, mein Nachbar ist mit seinem Rad nicht im Blühstreifen gelandet - er fand nur beides zum Fotografieren schön: Fahrrad UND Blumen! Foto: Schulte-Lünzum

In letzter Zeit habe ich häufiger im Kreis Coesfeld zu tun und da fielen mir schon im Juli die ungewöhnlich schönen und vielen Blühstreifen an den Feldrändern auf. Meinem radbegeisterten Nachbarn ging es ebenso und er hat mir dieses tolle Foto geliefert.
Viele Bauern legen freiwillig, oder weil es sich wegen besonderer Programme auch finanziell lohnt, Blühstreifen an, die für Insekten verlockend sind und anderem Getier Unterschlupf bieten. Nicht immer gelingt das so gut wie hier - Samenmischung, Bodenbeschaffenheit und Witterung müssen passen, damit es gut wächst. Ich freue mich sehr darüber!
Die Bauern im Münsterland wurden dafür ausgezeichnet. Das Landwirtschaftliche Wochenblatt berichtet:

 

Während es heute stürmt und ab und zu regnet, denke ich gerne an unseren Sommerurlaub im Elsass zurück. Dort überraschten uns einige Orte mit herrlichen Sommerblumenbepflanzungen, die von Bienen und anderen Insekten umschwärmt wurden. Für sich genommen, ist jeder Trog, jeder Kübel mit Sommerblumen eine kleine Bienenweide für sich - und für uns eine Augenweide.
Jede Blüte zählt!

Für die Wachsentnahme war es bei Queen Marlene noch zu früh. Im unteren Brutraum pflegt sie noch ein großes Brutnest - hier eine Randwabe des Nestes.

Jetzt wird es langsam Zeit, die Futtervorräte zu kontrollieren, um zu sehen, ob die Vorräte für den Winter ausreichen oder noch flott zugefüttert werden muss. Ich ziehe das Wiegen der Beute der Schätzrahmenmethode vor, weil´s schnell geht und ich die Bienen damit wenig störe.
Wie es geht, zeige ich am Beispiel von Queen Marlene:

Gesamtgewicht ermitteln
1. Haken der digitalen Kofferwaage an der rechten Seite der Beute am Boden ansetzen.
2. Waage anziehen, bis das Gewicht konstant bleibt (22 kg).
3. Procedere auf der linken Seite der Beute wiederholen (21kg).
4. Ergebnisse addieren, also 43 kg Gesamtgewicht.

... und dann rechnen
Jetzt muss man noch ein paar Dinge abziehen, um das Gewicht des Futters zu erhalten. Also:
42 kg Gesamtgewicht
- 6,3 g  für 2 Zargen (je 3,15 kg)
- 4,5 kg Deckel, Metallabdeckung und Boden (je 1,5 kg)
- 6,6 kg Rähmchen und Waben (22 Rähmchen á 300 g)
- 2 kg Bienen und Brut (geschätzt)
--------------------------------------------------------------------------------
22,6 kg Futter am 04.09.2017 bei Volk Marlene - reichlich Futter für ein zweizargiges Volk.
Beim Aalstrich und auch beim Trogbeutenvolk muss ich noch nachlegen. Vor einigen Tagen hatte ich dem Aalstrich-Volk 5 l Futter gegeben, doch sie haben es leider nicht gefunden. Durch legen einer Zuckerwasserspur haben sie den Weg zur Futterquelle nun doch entdeckt. Sowas hatte ich auch noch nicht....
Immerhin konnte ich bei dem Volk schon den unteren Brutraum mit den alten Waben entnehmen. Das Brutnest war leergezogen.

Von der Straßenseite fallen in der Blumenwiese besonders Rainfarn, letzte Reste Johanniskraut - beides gelb - und rosa Malven auf.
In der hinteren Hälfte herrscht die Ackermelde mit ihren fast saatreifen Nüsschen vor.

Unsere Blumenwiese steht nun schon im dritten Jahr und nicht nur ich, sondern auch viele Nachbarn finden die Blütenvielfalt und den Farbverlauf über den Sommer hinweg einfach klasse. In jedem Jahr setzten andere Blumen der Wiese ihren Stempel auf. Die Blühmischung war für drei Jahre angelegt. Mal sehen, ob ich im nächsten Jahr einfach abwarte, was noch so aufschlägt oder ob ich mir noch einmal die Mühe der Neueinsaat mache.

Neueinsaat ist aufwendig
Das ist sicherlich davon abhängig, ob mir die Zeit noch reicht, ob der Wiesenbesitzer zustimmt, ob Freunde nochmals mit Trecker und Ackergerät aufschlagen und ob ich mir sicher sein kann, eine Blühmischung zu finden, die schnell genug wächst, damit die Ackermelde (auch Gänsefuß genannt) keine Chance hat - denn nochmals über Tage hinweg auf den Knien über den Acker zu robben, um sie rauszuziehen, tue ich mir nicht nochmal an.... Vor drei Jahren habe ich es mir als "Meditatives Gänsefußzupfen" schön geredet.

In diesem Jahr emfpand ich den Senseneinsatz als etwas leichter - vielleicht waren die Sensen schärfer oder die Stängel nicht ganz so dick? - Trotzdem: Ich habe geschwitzt, wie schon lange nicht mehr...

Besonders in der hinteren Hälfte der Wiese - nah an den Bienenstöcken - hat sich trotz aller Bemühungen die Ackermelde breit gemacht. Jetzt steht sie kurz vor dem Aussamen und ich habe am Wochenende mal schnell einen Arbeitseinsatz organisiert: Sensen ausgeliehen, meinen Mann zur Unterstützung gebeten, einen Bauern gefragt, ob ich den Schnitt irgendwo bei ihm abladen darf, meine Imkerpatin gebeten, ob sie das Schnittgut mit dem Anhänger abholt - alle haben zugesagt! Dankeschön!

An der Wieseneinfahrt wartet jetzt ein großer Haufen Schnittgut auf den Abtransport.

Das Schnittgut sollte nicht auf der Wiese liegen bleiben - zu viel Dünger für eine neue Blumenaussaat.
Und wieder ein netter Nebeneffekt bei der Arbeit mit der Sense: Eine neue Honigkundin gewonnen, mit neun Nachbarn geredet und, ja, auch Sprüche angehört. Aber niemand wollte sich an der "Agrarfitness" beteiligen.
Nachtrag: Am Abend musste sich der Besitzer der Wiese einer peinlichen Befragung unterziehen. Eine ältere Dame mit Hund stellte ihn zur Rede, warum er denn die schönen Blumen abgemäht habe...!

3 Kommentare

Mit Propolis - Kittharz - dichten Bienen ihre Beute ab. Wenn sie so viel produzieren, wie das Volk von Queen Marlene, zweige ich etwas für mich ab.

Seit etwa 1,5 Jahren sammle ich Propolis mit Netzen, und wenn es sich anbietet kratze ich es mit dem Stockmeißel von den Rähmchen. Es wirkt antibiotisch, antiviral und antimykotisch und kann zu Salben und Tinkturen verarbeitet werden.
Schon längst wollte ich es in Alkohol auflösen, scheute aber die Arbeit - über Wochen täglich schütteln - das würde ich dauernd vergessen. Darum habe ich mich gefreut, als ich vom Deal meiner Imkerpatin mit einem Apotheker hörte: Sie bringt ihm das Propolis, er löst es auf und dann machen sie halbe-halbe.
Also habe ich meinen Propolis ebenfalls dort abgegeben. Doch kaum zwei Wochen später gab´s eine Hiobsbotschaft. Das Haus des Apothekers beherbergt auch eine kleine Bankfiliale, die jetzt überfallen wurde. Die Räuber haben Gas in den Vorraum eingeleitet und zur Explosion gebracht. Der dabei entstandene Brand wurde von der Feuerwehr gelöscht und dieses stinkende Löschwasser lief in Keller der Apotheke. In der Zeitung hieß es jetzt, der Apotheker müsse seine dort gelagerten Medikamentenvorräte entsorgen.
Stellt sich mir die Frage, wo er das Propolis lagert - im Keller oder oben in der Apotheke? Ich traue mich gar nicht zu fragen.

Das freut Apotheker und Imkerin: fast vollständig gefüllte Propolisnetz. Wenn man es in den tiefgefriert, kann man das Propolis vom Netz lösen und weiterverarbeiten.

Wer hat denn hier wohl den Auftrag zum Putzen gegeben? Oder ist ihnen das Flugloch zu klein? In der Abenddämmerung eines schwülen Tages hockte diese Bienentraube auf dem Flugbrett. Ich dachte ja zu nächst, ihnen sei zu warm und sie fächelten frische Luft in die Beute. Aber die Flügel bewegten sich nicht. Bei genauerem Hinsehen wurde klar: Sie raspeln und schaben am Holz rund ums Flugloch, auf dem Anflugbrett und an der Seitenwand. ob sie das die ganze Nacht getan haben? Es war schon 22 Uhr und morgens saßen noch immer Bienen draußen und arbeiteten...

Kanadische Goldrute

In unserem Garten blühen die ersten Goldruten und werden rege von Bienen besucht. Die Goldrute ist ein guter Nektarspender, liefert aber wenig Pollen. In der Nachbarschaft wachsen auf unbebauten Grundstücken wahre Goldrutenwiesen.

Storchenschnabel

Der Storchschnabel bietet laut Die Honigmacher nur mäßig Pollen und Nektar, wird aber immer gerne angeflogen.

Ein ganz besonderes Mitbringsel aus Däenmark: Heidehonig!

Darüber habe ich mich sehr gefreut! Als ich kürzlich bei den Bienen werkelte, schenkte mir meine Nachbarin Tanja diesen Honig, den sie aus dem Urlaub auf Fanø mitgebracht hatte. Den hatte ihre Familie beim Frühstück sehr zu schätzen gelernt. Heidehonig ist einer der kulinarischen Genüsse die die Insel bietet. Und er ist wirklich sehr aromatisch.
Herzlichen Dank!
Jetzt muss ich doch mal einen Imkerkollegen fragen, der seit Jahren seinem Freund bei der Honigernte auf Fanø hilft, könnte ja sein, dass er dieses Glas abgefüllt hat. Das wäre witzig!

4 Kommentare

Der Nassenheider Verdunster benetzt das darunterliegende Tuch, sodas die Ameisensäure großflächig verdunsten kann.

Nun habe ich nach dem Abschleudern schon die Ameisensäurebehandlung durchgeführt - recht früh in diesem Jahr, aber es nimmt auch den Varroadruck aus den Völkern. Das genaue Vorgehen habe ich schon mal beschrieben, siehe Gutes Wetter für Ameisensäure-Behandlung. Die Wetterbedingungen waren an einigen Tagen nicht optimal (kühle Außentemperaturen) aber durch Einlegen des größten Dochtes ist die erwartete Menge verdunstet. Nach fünf Tagen habe ich kontrolliert und je nach erfolgter Verdunstungsrate einen kleineren Docht eingelegt.

Futter rein - Flugloch klein

Wichtig beim Zufüttern sind die Schwimmer, damit keine Biene ertrinkt und eine Aufstiegshilfe zum Beutenrand.

Da das Futterangebot nun abnimmt, habe ich gestern Abend erstmals ein wenig zugefüttert - 3 l in der Trogbeute und in den beiden anderen Völkern jeweils eine Futtertasche. Der kontinuierliche Futterstrom soll verhindern, dass die Königin das Stiften abbricht. In allen Völkern habe ich Stifte gefunden und unterschiedlich große Brutnester.

So soll es aussehen: verdeckelte Brut (innen) mit Futterkranz.

Auf keinen Fall darf man beim Zufüttern vergessen, die Fluglöcher zu verkleinern. Räuber wie andere Bienen und Wespen könnten die Wachen überrennen, wenn das Flugloch zu groß ist.

Eine Holzleiste verkleinert das Flugloch in der Trogbeute.

Außerdem habe ich die Absperrgitter entfernt und die ausgeschleuderten Waben obenaufgesetzt - drei Zargen stehen nun übereinander. So kann das Volk nach oben ziehen und die frischen Waben besiedeln. Im September werde ich die unterste Zarge mit den alten Waben entfernen und diese einschmelzen - dient der Wabenhygiene.

2 Kommentare

Ein Fest fürs Auge und für Insekten: Beet mit Storchenschnabel, Lavendel und Sonnenhut.

Neulich abends haben wir unseren Sohn vom Ernteeinsatz vom Bauernhof meines Cousins abgeholt. Seine Frau hat nicht nur ein, sondern gleich zwei Händchen für Blumen. Ihr Bauerngarten, den sie am neuen Wohnhaus seit zwei, drei Jahren aufbaut, ist einfach herrlich und abwechslungsreich. Überall summte und krabbelte es, Bienen, Wildbienen, Schmetterlinge, Hummeln - alles da.
Habe mal einige Eindrücke in einer Collage zusammengefasst - zum Vergrößern bitte anklicken.

2 Kommentare

Drei Tage nach dem Schleudern nehme ich mit einem Teigschaber den Schaum von der Honigoberfläche ab.

Frisch geschleuderter Honig enthält Luftblasen und feinste Wachspartikel, die aber schon bald an die Oberfläche steigen und dort mit ausgefallenen Eiweißen einen weißen Schaumteppich bilden.
Mit einem Teigschaber oder alternativ mit Haushaltsfolie, die man auf den Schaum legt und abzieht, lässt sich der Schaum entfernen. Eventuell muss man es nach ein, zwei Tagen wiederholen, bis die Honigoberfläche klar ist.
Damit wäre der erste Punkt der Honigpflege schon mal abgehakt. Der Honig kommt zurück in den kühlen dunklen Keller, bis er anfängt zu kristallisieren.
Und ich flitze gleich mal eben zu den Völkern, um die ausgeschleckten geschleuderten Rähmchen aus dem Honigraum zu nehmen. Wollte ich eigentlich schon gestern machen, aber Unwetter am Morgen und unser Imkertreffen mit Standschau am Abend haben mich davon abgehalten.

 

Drei Völker, drei Farben, 50 kg Honig - die Honigernte 2017! (Helene/Trogbeute, Marlene, Aalstrich-Schwarm v.l.)

Vergangene Woche Donnerstag wollte ich nur mal eben eine Bienenflucht einlegen. Doch die Bienen waren so ruhig und gerade so wenige im Honigraum, dass ich spontan beschloss, die vollen Waben direkt zu entnehmen. Ist auch alles gut gegangen, nur das letzte Volk war wohl schon informiert und etwas krawallig.
Leider bin ich mit meinem Bericht spät dran. Meine Festplatte geht auf Krücken und war ein paar Tage offline. Noch immer nicht repariert - jetzt hält sie halt so lange sie hält. Dann sehe ich weiter.... Deshalb jetzt nur einen Kurzbericht als Bildergeschichte.

Geschleudert habe ich am Montag - und war damit fast den ganzen Tag beschäftigt. Morgens vorgekocht (Nudelsalat mit Würstchen, weil man bei der Honigernte in der Küche nicht zeitgleich Essen zubereiten darf) dann die Küche geputzt, Stehrumle, Blumen, Kaffeemaschine usw. weggeräumt, Honiggläser in der Spülmaschine gespült und schließlich die Vereinsschleuder bei einem anderen Mitglied abgeholt.

Zwischendurch habe ich mit meinem Refraktometer den Wassergehalt gemessen: 18 Prozent bei den beiden hellen Honigen, 17,1 Prozent beim dunklen Honig (unten). Wider Erwarten ging das Entdeckeln mit der Entdeckelungsgabel doch nicht in den Arm - spüre keinen Muskelkater.
An den halb entdeckelten Waben kann man ganz gut die Farbunterschiede des Honigs vergleichen. Der dunklere hat einen großen Waldhoniganteil.Habe den Honig zunächst nur in Eimern abgefüllt - ich war echt froh, als ich endlich damit fertig war. Diese Kleberei mag ich an der Geschichte gar nicht. Zum Schluss stand natürlich das Saubermachen auf dem Programm. Mit Teigschaber und "Schmachtleppel" (Gummizunge) habe ich versucht, auch das letzte Gramm des kostbaren Honigs zu bergen. Wenn ich überlege, wieviel Arbeit die Bienen da hinein gesteckt haben, wäre es bienenverachtend, wenn man lasch damit umginge.
In der Abenddämmerung habe ich dann die geschleuderten Waben zum Ausschlecken ins Volk zurückgegeben. Wollte sie eigentlich heute wieder rausholen, aber es gewittert und regnet gerade.
Honigernte verköstigt
Zum krönenden Abschluss der Honigernte gab es dann Joghurt mit Früchten und einem kräftigen Schlag Honig obendrauf. Lecker!

Geborgen in den Blütenblättern der Flockenblume sucht diese Bestäuberin nach ihrer Belohnung - süßem Nektar.

Meine Blumenwiese steht nun schon im dritten Jahr und überrascht mich schon den ganzen Sommer über mit einer bunten Blütenpracht.
Anfang Mai hatte ich das Schild aufgestellt und damit auch zunächst nur behauptet: "Hier blüht es für Bienen, Hummeln und Co." Da zweifelte ich angesichts des vielen Grases noch, ob Blümen durchkommen würden. Anfang Juni zeigte sich die Wiese in ihrer "weißen Phase" - strahlende Margeriten bestimmten das Bild.

Blumenwiese wechselt ihre Farbe
Einige Wochen später kamen blassrosafarbene Malven und weiße Schafgarbe hinzu. Steinklee, Echtes Leinkraut, Leimkräuter, Klatschmohn, Nachtkerze, Johanniskraut kamen nach und nach hinzu. So wechselte die Wiese Ende Juni ihre Farbe, bestimmt durch die Wiesenflockenblume Richtung blau/lila, wenige Tage  vor allem durch das Johanniskraut Richtung gelb. Ein Fest fürs Auge, für Insekten, Vögel und andere Kleintiere!