2 Kommentare

Drei Tage nach dem Schleudern nehme ich mit einem Teigschaber den Schaum von der Honigoberfläche ab.

Frisch geschleuderter Honig enthält Luftblasen und feinste Wachspartikel, die aber schon bald an die Oberfläche steigen und dort mit ausgefallenen Eiweißen einen weißen Schaumteppich bilden.
Mit einem Teigschaber oder alternativ mit Haushaltsfolie, die man auf den Schaum legt und abzieht, lässt sich der Schaum entfernen. Eventuell muss man es nach ein, zwei Tagen wiederholen, bis die Honigoberfläche klar ist.
Damit wäre der erste Punkt der Honigpflege schon mal abgehakt. Der Honig kommt zurück in den kühlen dunklen Keller, bis er anfängt zu kristallisieren.
Und ich flitze gleich mal eben zu den Völkern, um die ausgeschleckten geschleuderten Rähmchen aus dem Honigraum zu nehmen. Wollte ich eigentlich schon gestern machen, aber Unwetter am Morgen und unser Imkertreffen mit Standschau am Abend haben mich davon abgehalten.

 

Drei Völker, drei Farben, 50 kg Honig - die Honigernte 2017! (Helene/Trogbeute, Marlene, Aalstrich-Schwarm v.l.)

Vergangene Woche Donnerstag wollte ich nur mal eben eine Bienenflucht einlegen. Doch die Bienen waren so ruhig und gerade so wenige im Honigraum, dass ich spontan beschloss, die vollen Waben direkt zu entnehmen. Ist auch alles gut gegangen, nur das letzte Volk war wohl schon informiert und etwas krawallig.
Leider bin ich mit meinem Bericht spät dran. Meine Festplatte geht auf Krücken und war ein paar Tage offline. Noch immer nicht repariert - jetzt hält sie halt so lange sie hält. Dann sehe ich weiter.... Deshalb jetzt nur einen Kurzbericht als Bildergeschichte.

Geschleudert habe ich am Montag - und war damit fast den ganzen Tag beschäftigt. Morgens vorgekocht (Nudelsalat mit Würstchen, weil man bei der Honigernte in der Küche nicht zeitgleich Essen zubereiten darf) dann die Küche geputzt, Stehrumle, Blumen, Kaffeemaschine usw. weggeräumt, Honiggläser in der Spülmaschine gespült und schließlich die Vereinsschleuder bei einem anderen Mitglied abgeholt.

Zwischendurch habe ich mit meinem Refraktometer den Wassergehalt gemessen: 18 Prozent bei den beiden hellen Honigen, 17,1 Prozent beim dunklen Honig (unten). Wider Erwarten ging das Entdeckeln mit der Entdeckelungsgabel doch nicht in den Arm - spüre keinen Muskelkater.
An den halb entdeckelten Waben kann man ganz gut die Farbunterschiede des Honigs vergleichen. Der dunklere hat einen großen Waldhoniganteil.Habe den Honig zunächst nur in Eimern abgefüllt - ich war echt froh, als ich endlich damit fertig war. Diese Kleberei mag ich an der Geschichte gar nicht. Zum Schluss stand natürlich das Saubermachen auf dem Programm. Mit Teigschaber und "Schmachtleppel" (Gummizunge) habe ich versucht, auch das letzte Gramm des kostbaren Honigs zu bergen. Wenn ich überlege, wieviel Arbeit die Bienen da hinein gesteckt haben, wäre es bienenverachtend, wenn man lasch damit umginge.
In der Abenddämmerung habe ich dann die geschleuderten Waben zum Ausschlecken ins Volk zurückgegeben. Wollte sie eigentlich heute wieder rausholen, aber es gewittert und regnet gerade.
Honigernte verköstigt
Zum krönenden Abschluss der Honigernte gab es dann Joghurt mit Früchten und einem kräftigen Schlag Honig obendrauf. Lecker!

Geborgen in den Blütenblättern der Flockenblume sucht diese Bestäuberin nach ihrer Belohnung - süßem Nektar.

Meine Blumenwiese steht nun schon im dritten Jahr und überrascht mich schon den ganzen Sommer über mit einer bunten Blütenpracht.
Anfang Mai hatte ich das Schild aufgestellt und damit auch zunächst nur behauptet: "Hier blüht es für Bienen, Hummeln und Co." Da zweifelte ich angesichts des vielen Grases noch, ob Blümen durchkommen würden. Anfang Juni zeigte sich die Wiese in ihrer "weißen Phase" - strahlende Margeriten bestimmten das Bild.

Blumenwiese wechselt ihre Farbe
Einige Wochen später kamen blassrosafarbene Malven und weiße Schafgarbe hinzu. Steinklee, Echtes Leinkraut, Leimkräuter, Klatschmohn, Nachtkerze, Johanniskraut kamen nach und nach hinzu. So wechselte die Wiese Ende Juni ihre Farbe, bestimmt durch die Wiesenflockenblume Richtung blau/lila, wenige Tage  vor allem durch das Johanniskraut Richtung gelb. Ein Fest fürs Auge, für Insekten, Vögel und andere Kleintiere!

Eine Schubkarre voll Jakobskreuzkraut samt Wurzeln habe ich aus der Wiese geholt, denn es ist für einige Tiere giftig.

Komme gerade vom Einsatz auf der Blumenwiese zurück. Über die Blütenpracht im dritten Jahr habe ich in diesem Sommer noch gar nicht berichtet. Das wollte ich schleunigst mit aktuellen Bildern nachholen, als mir das blühende Jakobskreuzkraut ins Auge fiel.  Es breitet sich seit einigen Jahren rasant aus. Zum Problem wird es, da es Pyrrolizidinalkaloide (PAs) enthält, die chronische Leberschäden hervorruft. Gefährdet sind vor allem Kühe und Pferde, Schafe und Ziegen kommen damit besser klar. Außerdem wird diskutiert, ob die Giftstoffe auch in den Honig gelangen können. Das Deutsche BienenJournal hat dazu im vergangenen Jahr einen Artikel verfasst.

Blüte an Blüte, das Jakobskreuzkraut breitet sich aus.

Jakobskreuzkraut im Honig?
Frisch auf der Wiese warnt das Jakobskreuzkraut mit einem unangenehmen Geruch und bitteren Geschmack vor dem Gefressenwerden. In konserviertem Zustand wie Heu und Silage verlieren sich diese Warnstoffe. Das Gras und auch der Grasschnitt auf der Wiese werden zwar nicht verfüttert, aber trotzdem möchte ich die Ausbreitung der Pflanze verhindern.
Dazu darf die Pflanze nicht aussamen. Sie steht gerade in voller Blüte - trotzdem musste ich genau hinschauen, farblich ist sie einen Hauch neongelber als die des Johanniskrauts, das auf der Blumenwiese reichlich steht. Ich hatte nicht damit gerechnet, die Pflanze samt Wurzeln herausziehen zu können, aber da es am Wochenende etwa 12 l/m² geregnet hat, ging es doch.
Umfassende Infos, geschrieben für die Zielgruppe "Landwirte", bietet dieser Artikel der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen.

Die junge Königin ist heile vom Begattungsflug zurückgekehrt und stiftet.

Seitdem ich den Kunstschwarm vom einen Volk und den Ableger beim anderen Volk gebildet habe, sind rund vier Wochen vergangen. Zeit, zu überprüfen, ob die Jungköniginnen heile und begattet vom Hochzeitsflug zurückgekehrt sind. Es kann schon mal vorkommen, dass eine Königin unterwegs verletzt wird, vom Vogel gefressen oder durch schlechtes Wetter umkommt.
Hatte ich ja kürzlich noch an meiner Sehfähigkeit gezweifelt - wie kann man Weiselzellen übersehen? - wurde ich nun beruhigt: Kleine Stifte in beiden Völkern. Super!

Weiselprobe
Hätte ich nun nichts gesehen - entweder weil ich es nicht kann oder weil keine Stifte da waren, hätte ich vom Nachbarvolk eine Wabe mit junger Brut (1 bis 3 Tage alten Stiften) reingehängt, um eine Weiselprobe zu machen. Ist keine Königin anwesend ziehen die Arbeiterinnen aus der jungen Brut neue Königinnen.

Wachsmotte
Jetzt wird´s etwas ungemütlich: Als wir die Beute von Marlene öffneten flatterte uns eine Wachsmotte entgegen, eine zweite saß noch auf dem Propolisgitter. Die sind ganz schön groß. Hatte leider kein Geldstück zum Größenvergleich dabei, aber ein 2-€-Stück erreicht sie locker.

Wachsmotte in ihrer ganzen "Pracht".

Ein Pärchen in einem Volk wird schon nichts ausmachen. Sie vertilgen ja auch altes Wachs und gehören zu einem Bienenvolk dazu. Allerdings habe ich die Honigräume einmal getauscht - Tipp meiner Bienensachverständigen: Den vollen Honigraum nach oben, den frischen darunter. Das hätte ich mal gleich machen sollen. So dachten die Bienen wohl, es sei oben alles voll und lagerten viel Honig im Brutraum ein. Na, macht nichts. Dann muss ich nicht so viel zufüttern.

Annähernd schwarz ist der Blütenstaub des Mohns, wie an den Pollenhöschen der Biene zu sehen.

Ach schade, jetzt werden die Tage schon wieder kürzer. Mit der Sommersonnenwende haben auch die Bienenvölker ihren Zenit erreicht. Nie sind sie stärker als zu dieser Zeit. Zugleich nehmen Schwarm- und Bautrieb ab. Nur bei den Schwärmen wird der Wabenbau fleißig erweitert.
In ihrem aktuellen Newsletter empfehlen die Bienenkundler eine Brutunterbrechung, um den brutgebundenen Krankheiten und Parasiten zu begegnen. Wer sich dafür interessiert, schaue in den Newsletter Bienen@Imkerei.


Also daran kann ich mich nun wirklich nicht sattsehen. Es ist so faszinierend, einen Schwarmeinlauf zu beobachten. Kaum sind die ersten Bienen aus der Fangkiste auf der Rampe gelandet, riechen sie bereits die Mittelwände in der neuen Beute. Ruckzuck wird sie als neue Behausung akzeptiert, was die Pioniere den anderen durch Sterzeln mitteilen. Der Zug aus tausenden von Bienen setzt sich in Bewegung.... So soll es sein! Das Video ist schon im Mai des vergangenen Jahres entstanden, als ich den Schwarm "Helene" einlaufen ließ.
In dieser Saision scheint es in unserer Region relativ wenige Schwärme zu geben.

2 Kommentare

Noch vor einer Woche war ich mir sicher, keine Schwarmzelle übersehen zu haben - Pustekuchen! Gestern gegen 13 Uhr informierte mich eine Nachbarin, dass die Bienen schwärmen.
Natürlich ist das Szenario eingetreten, das ich befürchtet hatte und welches ich unbedingt vermeiden wollte. Die Bienen haben sich selbstverständlich den höchsten der vier Bäume am Platze ausgesucht und sich kurz unterhalb der Spitze niedergelassen.Als sich der Schwarm gesetzt hatte, war er mit bloßem Auge nicht mehr zu erkennen. Wie sollte man an die Traube in ca. 7 - 8 m Höhe herankommen? Eine Leiter anzustellen wäre wegen der Verästelung der Heinbuche schwierig. Ich fand ja, es sei aussichtslos, den Schwarm zu bergen.  Muriel sah das anders: "Ich klettere hoch!"
Beim Klettern, das muss ich zugeben, war ich schon immer eine Bangebux. Außerdem erinnerte ich mich an den Witz: Warum sterben Imker selten an einem Herzinfarkt? - Weil sie sich schon vorher beim Schwarmfang das Genick brechen.... Kurz gesagt: ICH wäre nicht hochgestiegen.
Muriel gelang es tatsächlich, hoch genug zu klettern und mit einer kleinen Säge einen riesigen Ast (ca. 4 m lang)  abzutrennen. In der Dämmerung neigte er sich auf das Grundstück der Nachbarn - hier mal eben geklingelt und um Einlass gebeten.
Da hing der Schwarm also immer noch in einigen Metern Höhe - das kleine Foto zeigt die Situation heute früh.  In der Dunkelheit - es war mittlerweile 22.30 Uhr - bestiegen wir die Leiter: Muriel mit der Schwarmfangkiste, ich mit einem Besen in der Hand. Voller Wucht schlug ich auf den Ast, die Schwarmtraube fiel in die Kiste, Schieber geschlossen, Kiste auf dem Boden abgesetzt und das Flugloch geöffnet. Geschafft! Einige Häufchen von Bienen und eine zweite Bienentraube am Ast beließen wir so, in der Hoffnung, dass sie bis heute früh alle in die Kiste einziehen. Das Foto zeigt die ersten sterzelnden Bienen - die Königin haben wir also erwischt. Heute Abend wird Muriel den Schwarm in ihre Warre-Beute einlaufen lassen.Und weil´s so schön ist, noch ein Schnappschuss von unserem Äffchen Muriel, wie sie heute früh noch einmal in den Baum klettert, um den Ast zu lösen.

Hier ist er, mein Buchtipp für das kommende lange Wochenende: "Die Geschichte der Bienen" von Maja Lunde. Zunächst haben mich der Titel (dachte es geht um Evolution) und das Cover mit der verendeten Biene abgeschreckt. Es gibt so viele Hiobsbotschaften (gerechtfertigte und ungerechtfertigte) rund um die Biene, dass ich keine Lust hatte, auch noch in einem Roman davon zu lesen.

Drei Lebensgeschichten
Zugegriffen habe ich dann doch, und es hat mir sehr gut gefallen. Drei Geschichten in unterschiedlichen Zeiten werden miteinander verwoben. Da ist zunächst ein Forscher und Samenhändler der 1852 in England mit einer brillianten Idee, dann ein Imker, der 2007 in Ohio davon träumt, seine Imkerei zu vergrößern und schließlich eine Arbeiterin in China, die 2098 die Blüten per Hand bestäubt, weil es keine Bienen mehr gibt.

Viele Infos
Wie diese drei Geschichten zusammenhängen, Verzweiflung, unausgesprochene Wünsche auf Familienmitglieder projiziert werden und Sprachlosigkeit das Leben erschwert, ist lebendig geschrieben und spannend zu lesen. Häufiger war ich versucht, zum nächsten Kapitel einer Person vorzublättern.... Dazu lässt Maja Lunde viele Details aus der Bienenkunde einfließen, die für Laien sehr aufschlussreich sein düften und einiges an Bienenwissen vermitteln.

Gut geschrieben
Erschreckend ist, dass das Zukunftsszenario, dass sich die Autorin für 2098 in China erdacht hat, genauso Wirklichkeit werden könnte. Ein Aufruf, die Natur und die Bienen zu schützen, verpackt in einem Roman - ein geschickter Schachzug!

Maja Lunde
Die Geschichte der Bienen
btb, 512 Seiten, 20 €
ISBN-13: 978-3442756841

Bin etwas genervt, weil schon vier Tage ohne Internet. Habe Asyl bei Freunden gefunden und poste jetzt verspätet meinen Buchtipp. Wollte eigentlich noch von der letzten Völkerdurchsicht schreiben, aber das spare ich mir jetzt... Allen ein schönes Wochenende!

Wie erwartet, hatte sich die Schwarmtraube am Deckel aufgehängt. Einmal kräftig gestoßen und die Bienen fallen auf das weiße Tuch.

Dieser Kunstschwarm hat mich echt Neven gekostet. Die Bienen waren in der Kellerhaft so unruhig, dass wir die Zeit im Dunklen mit Honigabe auf zwei Tage verlängert haben. Ich leite davon ab, dass natürlich gebildete Schwärme ruhiger sind - irgendwie logisch.

Es gab kein Zögern, die Bienen akzeptierten die Kiste gleich als neue Behausung.

Gestern Abend dann der erfolgreiche Einlauf in die Bienenkiste einer Neuimkerin. Sie fanden augenblicklich den Weg in die Kiste. Heute werden sie etwas Zuckerlösung bekommen und schon mit dem Wabenbau beginnen.

Hier ein Foto von heute früh: Eine kleine Bienentraube sitzt noch unter dem Dach, ansonsten reger Flugverkehr. Sieht doch super aus! (Foto: Weidemann)

3 Kommentare

Um einen Kunstschwarm zu bilden nimmt man die Königin aus dem Volk - hier gerade frisch gefangen - fegt Bienen in eine Kunstschwarmkiste und setzt die Königin dazu.

Meine Völker sind schwarmlustig! Jedenfalls zwei von Ihnen. Da ich sie aus verschiedenen Gründen ungern schwärmen lassen möchte, riet mir meine Bienensachverständig dazu, einen Ableger oder einen Kunstschwarm zu bilden, damit die Völker geschröpft werden und der Schwarmtrieb erlischt.
Im vergangenen Jahr hatte ich schon mal geschrieben, wie das geht:

Mein Mann hat aus einer Ablegerkiste eine Kunstschwarmkiste gebaut, in dem er die Seiten mit Fenstern aus Maschendraht bestückt hat. Belüftung! Oben drauf der Trichter Marke Eigenbau. Hat auch funktioniert.

Kunstschwarm
"Man benötigt:
eine neue Königin, eine Kunstschwarmbeute (besitzt Seiten, die man abnehmen kann, gute Belüftung durch Gaze), Trichter, Wasserstäuber, Besen,
So wird´s gemacht: Königin im mit Futterteig verschlossenen Käfig an einem Rähmchen in der Schwarmbeute befestigen. Trichter aufsetzen und mit Wasser anfeuchten, damit die Bienen gut rutschen. Nun die Bienen von den Waben in den Trichter fegen - aufpassen, dass die alte Königin nicht dabei ist (am besten käfigen und nach der Prozedur wieder zurück ins Volk geben). Die Königin wird von den Arbeiterinnen "eingeweiselt". Bis sie sich durch den Futterteig gefressen haben, ist die neue Königin akzeptiert.
Die Beute für eine Nacht in den Keller stellen, zur Belüftung die Seitenteile abnehmen. So bekommen die Bienen das "Schwarmgefühl", das sie zu einem neuen Volk formt. Dann den Schwarm in eine Beute einschlagen. Mit flüssigem Futter in kleinen Portionen (z.B. alle zwei Tage 1 l Futter) anfüttern. Nach vier Wochen kontrollieren, ob Brut vorhanden ist.
Wichtig: Bei der Umsiedelung keinen Rauch benutzen, die Bienen würden sich mit Honig vollsaugen. Man möchte mit der Kunstschwarmmethode gerade erreichen, dass sie möglichst ohne "Altlasten" ein neues Volk bilden.
Anmerkung: Für mich eine gruselige Vorstellung - man kann auch Bienen von verschiedenen Völkern durch den Trichter schicken und zu einem Volk vereinigen. Dieses bedeutet riesigen Stress, wenn man bedenkt, wie fein austariert das System Bienenvolk ist.
Andererseits bietet ein Kunstschwarm die Chance, ein Jungvolk auf frische Waben zu bilden, zum Beispiel im Falle einer Faulbrutsanierung (in die Verlegenheit möchte ich nie kommen...). Berufsimker bilden häufig Kunstschwärme direkt nach der Honigernte."

Unsere Tochter lauscht dem Bienengesumme, das am Abend immer leiser wurde.

So lief es mit dem Kunstschwarm bei mir
- Im Volk von Queen Marlene eine Weiselzelle stehengelassen, daraus ziehen sie sich die junge Königin.
- Die Königin gefangen - habe ewig gesucht - sie saß auf der 19. Wabe.
- Die Bienen aus einer Zarge in die Kunstschwarm-Kiste abgefegt.
- Die Königin zulaufen lassen.
- Kiste in den kühlen Keller gesetzt.
- Morgens waren die Bienen ruhig, mittags unruhig, wuselten in der Kiste umher.
- Sorgen gemacht. Mit der BSV telefoniert. Festgestellt, dass der Keller nicht dunkel genug ist, also in einen geschlossenen Raum umgesetzt.
- Und sie sind hungrig - habe festen Honig auf das Gitter im Deckel positioniert.
- Schwarmeinlauf für heute Abend abgesagt, in der Hoffnung, dass sich die Bienen doch zu einem Kunstschwarm zusammenfinden und sich zur Traube aufhängen. Dann kann ich sie morgen weitergeben.
- Jetzt grüble ich, ob ich so etwas noch einmal machen würde - für die Bienen ist es Stress pur und für mich auch.
Oh, ich sehe gerade, es ist der 300. Post - ein kleines Jubiläum. 🙂

2 Kommentare

Die Satteltasche scheint für diesen Schwarm weit und breit das beste Wohnangebot zu sein... (Foto: Huesmann)

Heute gibt es einen Gastbeitrag von Fjonka, die in ihrem Blog regelmäßig von Ihrer Haus- und Hofgemeinschaft in Schleswig-Holstein berichtet. Wir teilen mindestens das Interesse an Bienen und Geflüchteten und tauschen auch schon mal interessante Bücher aus. Das Buch von Seeley hatte ich bereits vorgestellt und mir vorgenommen, mal daraus zu zitieren - Fjonka war schneller! Hier ihr Beitrag über die Wohnungssuche von Bienenschwärmen, den ich netterweise veröffentlichen darf:

"Wenn ein Bienenvolk sich selbst einen Ort zum leben aussuchen könnte, dann würde der so aussehen:

  • Eine Höhle läge mit der Flugöffnung gen Süden
  • hätte ein Volumen von 12-80 Litern (optimal: 40 Liter)
  • das Flugloch hätte etwa 3cm Durchmesser und befände sich etwa 5cm über dem Boden der Höhle.

Dies sind die wirklich wichtigen Kriterien, hat Herr Seeley, von dessen Forschungen ich Euch ja vor kurzem erst berichtet hatte, in langen, schwierigen Experimenten auf einer kleinen Insel herausgefunden, auf der es einerseits keine konkurrierenden Bienen zu seinen künstlichen Schwärmen gab und andererseits ausschließlich von ihm bereitgestellte Nistplätze, die er beliebig variieren konnte. Zusätzlich zu diesen Kriterien würden die Bienen es noch schön finden, wäre ihre Höhle aus Holz und läge sie in über 2,5 Metern Höhe – aber Biens entscheiden sich lieber zB für eine niedrig liegende Höhle, die die richtige Größe und Ausrichtung hat als für eine hochliegende, die zu groß ist.

Wohnungssuche mit Zollstock?
Wie aber finden die Bienen heraus, wie groß eine Höhle ist? Ich berichtete ja schon, daß alte, erfahrene Sammlerinnen beginnen, nach potentiellen Nistplätzen zu suchen, sobald sie dadurch, daß der gesammelte Nektar ihnen von den Stockbienen mangels Platz im Nest nicht mehr abgenommen wird, signalisiert bekommen: es wird Zeit, zu schwärmen. Hat so eine Biene eine Höhlung gefunden, dann geht und fliegt sie die Innenmaße ab (gucken kann sie ja nicht, es ist dunkel in so einem Baum *g*). Was ideal ist, das ist laut Seeley genetisch bestimmt und deshalb nicht Geschmackssache der jeweiligen Späherin. Seeley hat das Verhalten in der Höhle beobachten können (und aufgezeichnet), weil er die Kästen, die er anbot, so gebaut hat, daß das möglich war.
Wenn die Biene meint, diese Höhle sei gut geeignet als Nistplatz, dann tanzt sie daheim den Platz, umso länger, je besser sie ihn findet, und animiert damit Andere, auch „gucken zu gehen“. Auch die kommen heim und tanzen umso länger, je besser der Ort ist. Seeley hat zeigen können, daß mehrere Nistplätze miteinander konkurrieren, und daß es mehrere Tage(!) dauern kann, bis eine Einigung gefunden wurde. Diese Einigung findet nicht über einen Konsens statt, sondern über ein Quorum: wenn eine bestimmtes Maß an Zustimmung für einen bestimmten Ort da ist, wird der genommen, nicht erst, wenn Alle überzeugt sind.

Forscher mit Fantasie
Um das herauszufinden, hat Seeley auch fiese Sachen gemacht wie einen guten Kasten, für den es schon recht viel Zustimmung gab, verschlechtert, indem er zB verschiebbare Wände so verändert hat, daß der vorher tolle Kasten plötzlich zu klein war – und siehe da: schnell verschob sich die Zustimmung beim Tanz. Spannend!
Insgesamt kennen allerdings, bevor der Schwarm loszieht, nur etwa 400 Bienen, 3-4% des Schwarms, den Zielort. Die flitzen, auch das hat Seeley nachgewiesen, am oberen Rand des Schwarmes auf geradem Weg hin und her Richtung Zielort und weisen so den anderen den Weg.
Faszinierend, das!
Rein praktisch ist für mich die ideale Größe und Beschaffenheit des Nistplatzes am interessantesten: 40 Liter Volumen, das ist eine Größe von z.B. 37 x 37 x 35 Zentimetern. Unsere Dadant-Beute mißt ca. 48 x 48 x 28 Zentimeter (der Brutraum), liegt damit also noch im „guten Maß“, ist aber als Idealbeute etwas zu groß. Andererseits verhungern in der Natur deutlich mehr Bienenvölker und sie schwärmen viel schneller, als ein Imker das wollen würde. Deshalb die größeren Beutenmaße."

Hier noch der Titel des zitierten Buches:
Thomas D. Seeley
Bienendemokratie - Wie Bienen kollektiv entscheiden und was wir davon lernen können
S. Fischer Verlag
Taschenbuch: 12,99 €
Hardcover: 22,99 €