Missachtet: Regeln für den Schwarmeinlauf

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"Oh, ein Schwärmchen mit Aalstrich", dachte ich zunächst. Doch es war doch ein größerer Schwarm, der nur eng gedrängt saß.

Aus Fehlern lernt man! Da bin ich sehr gespannt, ob das auch für Imker gilt und ob sich meine Handlungen von gestern heute als Fehler erweisen werden:
Der gestrige Tag begann in Haltern am See mit einem kräftigen Gewitter und starkem Regen. Da möchte man wirklich nicht draußen sein. Wie ergeht es dann einem Bienenschwarm, der schon seit drei Tagen am Holzzaun hängt und sich nicht fangen lässt? Mehrmals war am Vortag versucht worden, ihn in die Schwarmkiste zu bugsieren. Doch die Königin saß vermutlich zwischen den Hölzern und das Volk flog ihr immer wieder zu.

Schwarm mit Aalstrich*
Gestern Morgen versuchte ich mein Glück. Nass und klamm hingen die Bienen gedrängt am Holz, nur in der Mitte ein heller "Aalstrich", von getrockneten Bienen. Wie beim letzten Schwarmfang nahm ich die Bienen händeweise ab und gab sie in die Fangbeute. Deren Deckel hatte sich durch die Feuchtigkeit verzogen und schloss nicht mehr. Also drehte ich die Kiste um. Später ließ sie sich in einem Gartenmüllbehälter gut transportieren. Wegen des nächsten herannahenden Schauers deckten wir die Beute mit einer Folie ab. Schon bald zeigte sich: Wir haben die Königin erwischt!
Da es immer wieder zu regnen begann, und weil ich Abends keine Zeit hatte, ließ ich das Volk bereits nachmittags um 15.30 Uhr in eine Beute mit Futter einlaufen.

Anfangs sah es ja ganz gut aus - die Rampe voller Bienen, die sich Richtung Beute bewegen.
Anfangs sah es ja ganz gut aus - die Rampe voller Bienen, die sich Richtung Beute bewegen.

Fehler oder nicht?
Ich weiß, die Chancen für einen gelingenden Schwarmeinlauf steigen, wenn man einige Regeln beachtet:
- Schwärme schlägt man abends ein, damit sie keine Gelegenheit zum Ausfliegen haben (aber das gewittrige Wetter lud sowieso nicht dazu ein).
- Eine Nacht Kellerhaft fördert die Sozialisation des neuen Volkes, das ja nur aus einem Teil des Altvolkes besteht (hängt ein Schwarm allerdings schon längere Zeit als Traube, können sie sich natürlich auch dort sozialisieren - früher gab es ja auch keine Keller).
- Schwärme füttert man frühestens ein oder zwei Tage nach dem Einschlagen. Dann ist die Gefahr, dass sich die Bienen nur den Bauch vollschlagen und wieder abziehen, nicht so groß. (DAS habe ich allerdings erst abends von meiner Imkerpatin erfahren...).

Gestern hat es etwa 40 ml/m² geregnet. Deshalb spendierte ich dem einlaufenden Schwarm ein Dach.
Dem einlaufenden Schwarm spendierte ich ein Dach, denn gestern regnete es in Haltern am See etwa 40 ml/m².

Einschlag direkt in die Beute
Letzteres schien sich rund zwei Stunden nach dem Schwarmeinlauf zu bewahrheiten: Die Mannschaft hatte sich unter dem Dach versammelt, das ich wegen des Regens über die Rampe gelegt hatte. In der Beute hielten sich nur wenige Bienen am Futter auf und versorgten die Draußengebliebenen. So hatte ich mir das nicht vorgestellt!
Also entnahm ich einige Rähmchen und schlug den Schwarm direkt in die Beute, setzte die Rähmchen wieder ein und hoffte, dass sich die Bienen über Nacht einrichten.
Ich glaube, es ist alles gut gegangen, denn jetzt, rund 24 Stunden später sind sie noch da. Doch keinen Fehler gemacht! Oder war das Volk nach der nassen Hängepartie der vergangenen Tage einfach nur froh, ein Dach über dem Kopf zu haben?

* Kennt vielleicht nicht jeder: "Als Aalstrich, Aalstreif oder Rückgratstrich wird der von der übrigen Färbung abweichende, dunkle, schmale Streifen entlang des Rückgrats der Wirbeltiere bezeichnet", erklärt Wikipedia.

7 Gedanken zu “Missachtet: Regeln für den Schwarmeinlauf

  1. Liebe Gerburgis, das liest sich so spannend wie interessant... Obwohl ich als Laie gar keine Ahnung habe, es aber dennoch wissen möchte. Früher hat eine Nachbarin ein Bienenvolk gehabt und ich hab oft gerne zugesehen.
    Nun drücke ich Dir beide Daumen, dass es klappt mit dem eingefangenen Bienenvolk.

    Übrigens entstehen inzwischen wieder neue Bilder zu Art for Bee's

    Mit sonnigen Grüßen, Heidrun

    Antwort
    1. Gerburgis Sommer

      Beitragsautor

      Hallo Heidrun,
      schön, von Dir zu hören! Ja, ich staune selbst immer wieder über die Bienen. Deine Bilder sind im Netz ja sehr versteckt, aber ich habe einen Link zu einem Deiner Bienenbilder gefunden: http://bee-art.net/bees/picture.php?/8/categories. Sehr schön! Vielleicht magst Du ja einen direkten Link zu Deiner Seite ergänzen?
      Viele Grüße nach Bayern!
      Gerburgis

      Antwort
  2. Hannelore Gojowsky

    Hallo Gerburgis,
    ich kann mich da dem Christian nur anschließen, ich freu mich immer, wenn neue Meldungen von Dir kommen.
    Nun zum Schwärmen:
    Meine zwei Völker und der Ableger vom letzten Jahr sind im Mai sechsmal geschwärmt! Und das obwohl ich eng mit meinem Imkerpaten kooperiere!

    Zwei Schwärme (V1) haben sich jungimkerfreundlich unweit ihrer ursprünglichen Behausung niedergelassen und ich habe es auf Anhieb alleine geschafft, sie direkt in eine neue Beute mit Futter (direkt darunter gestellt) einzuschlagen - mit Königin! Dabei hatte ich aus diesem Volk Mitte April einen Kunstschwarm (unabsichtlich) gebildet. Die Absicht war eigentlich, dieses starke Volk mit einem Ableger zu schröpfen - zwei Bruträhmchen! Am 30. sind sie das erste Mal geschwärmt!
    Die habe ich behalten, obwohl ich eigentlich nur zwei Völker haben will. Sie machen sich gut.
    Die zwei Schwärme aus V2 haben sich so postiert, dass es mit einfach nicht möglich war, dran zu kommen, obwohl die meine Superkönigin - mit besonders langem Hinterteil - hatten.
    Den nächsten Schwarm hat mein Imkerpate zu fangen versucht, weil ich keinen mehr wollte und schulbedingt auch nicht gleich konnte - ohne Königin! Am nächsten Morgen hingen sie wieder im Zwetschgenbaum nach einer regnerischen Nacht! Zusammen mit meinem völlig ahnungslosen Mann habe ich mich dann daran gemacht und bienentechnisch auch Erfolg gehabt - leider hat mein Mann mehrere Stiche abbekommen - können keine Bienen von mir gewesen sein (???). Stechen war bei den vorhergehen Schwärmen überhaupt keine Option. Vielleicht sind sie von anderen gekommen und schon Tage unterwegs gewesen.
    Der vorläufig letzte Schwarm (V3=Ableger 2015) am Tag danach wurde wieder von mir eingekastelt auf bewährte Methode. Beide hat sich mein Imkerpate geholt.

    Jetzt befürchte ich, dass der Kunstschwarm = Ableger vom April2016 schwarmlustig ist, obwohl sie zwei Bruträume und einen Honigraum haben.
    Das Volk explodiert richtig.

    V1 und V2 haben jetzt wieder Brut, bei V3 konnte ich noch nichts feststellen aber ich sehe das frisch bestiftete meist nicht, ich hoffe also noch!

    Beste Grüße - aus dem Krankenstand, sonst hätte ich nie diese Zeit -
    Hanne

    Antwort
    1. Gerburgis Sommer

      Beitragsautor

      Hallo Hanne,
      eigentlich ist es doch ein Grund zur Freude - Deinen Völkern scheint es so gut zu gehen, dass sie sich vermehren wollen. Ist natürlich immer blöd, wenn sich Schwärme nicht einfangen lassen und dann auch nicht gerade freundlich mit den Helfern umgehen.... Letztere Erfahrung musste ich ja auch schon machen.
      Wünsche Dir gute Besserung!
      Herzliche Grüße
      Gerburgis

      Antwort
  3. Christian Putz

    Hallo Gerburgis,

    zurzeit suche ich nicht, da ich mit zwei Völkern und zwei Ablegern erst einmal genug zu tun und auch keinen Platz mehr habe.

    Deinen Blog lese ich immer wieder gerne! 🙂

    Gruß
    Christian

    Antwort
  4. Gerburgis Sommer

    Beitragsautor

    Hallo Christian,
    im Laufe der Jahre und durch meinen Bienenblog wissen alle Freunde und viele Bekannte von meinem Hobby. So ist einer Freundin einer der Schwärme aufgefallen. Gestern rief eine Bekannte an, weil am Spielplatz vor ihrer Haustür ein Schwarm in einem Baum hing - leider kam ich zu spät, ein anderer Imker hat den Schwarm aus der Drehleiter der Feuerwehr heraus bergen dürfen. Das wäre ja mal was gewesen....
    Auch anderen Imkern habe ich gesagt, dass ich gerne einen Schwarm fangen möchte, so kam ich an die beiden neuen Völker. Das ist eigentlich ganz schön, denn so weiß ich, dass sie nicht aus dem Faulbrutsperrbezirk stammen und gut aufgepasst wurden.
    Jetzt möchte ich keine weiteren Völker haben, aber ich biete mich als Schwarmfängerin an und gebe meine "Beute" an andere Imker weiter.
    Suchst Du auch? Du könntest eine Mail in unserem Vereinsverteiler versenden.
    Viele Grüße - und Danke für die vielen Likes!
    Gerburgis

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