Arbeiten fürs Volk


Mittelwände in Rähmchen einzulöten verlangt etwas Fingerspitzengefühl.

Gerne hätte ich dieses laaaaangweilige Video mit einigen Kommentaren aufgepeppt. Aber was will man machen, wenn der "Aufnahmeleiter" in Gestalt meines Sohnes giggelt, sobald ich den Mund aufmache?
Viel zu sagen gibt es eh nicht, denn das Mittelwände löten ist ganz einfach, wenn man ein paar Dinge beachtet und mit Fingerspitzengefühl herangeht.

Wird der Draht mit einem Drahtspanner gewellt, dehnt er sich während der Erhitzung nicht aus, die Mittelwand liegt plan auf den Drähten. Bei gebrauchten Rähmchen kann der lockere Draht, ohne ihn von der Befestigung zu lösen, mit dem Drahtspanner gespannt werden.
Wird der Draht mit einem Drahtspanner gewellt, dehnt er sich während der Erhitzung nicht aus, die Mittelwand liegt plan auf den Drähten.

Gute Vorbereitung ist alles
Die Mittelwände habe ich bereits einen Tag zuvor aus dem Keller hochgeholt und bei Raumtemperatur (20 °C) im Wohnzimmer deponiert. So wird das Wachs elastisch und die Mittelwände liegen später plan auf den Drähten auf. Das erleichtert das gleichmäßige Einlöten.
Zur Not hätte ich noch unseren Specksteinofen angezündet und sie oben drauf gelegt. Man muss natürlich aufpassen, dass sie nicht schmilzen. Oder man macht es wie Pia Aumeier, die das Mittelwandpaket für eine Stunde in eine Heizdecke einwickelt.
Da bleibt also genügend Zeit, die Rähmchen zu präparieren und die Drähte zu spannen.

Mittelwände oben anstoßen lassen
Dann kann es endlich losgehen. Den Trafo aufstellen (meiner ist übrigens eine Sonderanfertigung, die mein Schwager mir gebastelt hat. Nett, oder?) und anschließen. Das Rähmchen vor sich hinlegen und eine Mittelwand so auf die Drähte platzieren, dass sie oben am Träger anstößt. So bleibt unten etwa 0,5 cm Luft.
Daran sollte man unbedingt denken, denn durch das Ausbauen der Mittelwände "dehnen" sie sich etwas und können Wellen schlagen, wenn sie unten keinen Platz mehr haben. Beim Ziehen der Rähmchen macht man sich später keine Freunde, wenn Bienen, die auf so einer Welle sitzen, übers Nachbarrähmchen geschrubbt werden.
Und jetzt mit Gefühl die Kontakte des Trafos an die Drähte des Rähmchens halten und den Moment abpassen, in dem sich der erhitzte Draht ins Wachs schmilzt. Fällt die Mittelwand in Scheiben nach unten, war es natürlich zu lange....

Endlich steht das Gestell für meinen neuen Bienenstand. Es ist noch nicht waagerecht ausgerichtet, das machen wir, wenn sich die Erde gesetzt hat.
Endlich steht das Gestell für meinen neuen Bienenstand. Es ist noch nicht waagerecht ausgerichtet, das machen wir, wenn sich die Erde gesetzt hat.

Es klang so einfach, wie Hansi den Bau eines Bienenstandes beschrieb. Er ist der handwerklich geschickte, beuten- und bienenstandbauende Ehemann meiner Imkerfreundin. Wäre ja auch alles kein Problem gewesen, wenn der ausgesuchte Standort nicht als Ablage für Bauschutt von diversen Neubauten genutzt worden wäre. Aber von Anfang an.

Mit großem Bohrer und passender Einstellung der Bohrmaschine bohrten wir Löcher für die Rohre in die Kanthölzer
Mit großem Bohrer und passender Einstellung der Bohrmaschine bohrten wir Löcher für die Rohre in die Kanthölzer

Material für Bienenstand:
4 Bodenanker (habe ich leider verpasst, zu fotografieren),
2 Kanthölzer (7 x 7 cm im Durchmesser und 2,40 m lang für mindestens zwei Beuten)
2 Kanthölzer in Beutenbreite (also 46 cm lang)
1 Stahlrohr (3,5 cm im Durchmesser, 2 m lang, geschenkt von meinem Vater - Überbleibsel vom Bau des Schweinestalls)
Für mich teilte Hansi das Rohr in vier 50 cm lange Stücke mit Hilfe eines Rohrschneiders - ein Werkzeug, das ich noch nicht besitze.

Schaufeln statt Schrauben. Steine im Boden verhindern den korrekten Einsatz der Bodenanker.
Schaufeln statt Schrauben. Steine im Boden verhindern den korrekten Einsatz der Bodenanker.

Schwierig war anfangs das Bohren der Löcher in die langen Kanthölzer. Der große Bohrer und die Kraft der Bohrmaschine mussten aufeinander abgestimmt sein. Anfangs dachten wir, es läge am alten Bohrer, den mein Vater mir mitgegeben hatte, dass es nicht voran ging. Also ist mein Mann noch flott in den Baumarkt gefahren. Mit dem nagelneuen Bohrer klappte es dann irgendwann.
Die Kanthölzer als Querstreben waren schnell angeschraubt, und dann war erst einmal Schluss - am Samstag schüttete es wie aus Kübeln.

Steine im Weg
Am Sonntag dann der Aufbau: Die Rohre in das Holzgestell stecken und auf dem gewünschten Platz in die Erde drücken. Dann sieht man, wo die Bodenanker eingedreht werden müssen. Die ersten Zentimeter liefen in der durchweichten Erde auch gut - Hansi hatte ein Werkzeug für den Kreuzschraubenschlüssel geschweißt. - aber dann ging es nicht mehr weiter. Steine ohne Ende! Also die Spaten geholt und vier Löcher gebuddelt, die Bodenanker samt Rohren und Holzgestell eingesetzt und die Löcher wieder mit Erde verfüllt. Noch ist die Angelegenheit leicht wackelig. Aber der Stand wird ja nicht direkt besetzt. Bis es so weit ist, wird sich die Erde gesetzt haben, und ich kann mit Hilfe der Schrauben am Bodenanker das ganze Gestell in die Waage bringen.

Manchmal hilft nur noch Gewicht. Mein Mann und mein Sohn treiben die Bodenanker in die Tiefe.
Manchmal hilft nur noch Gewicht. Mein Mann und mein Sohn treiben die Bodenanker in die Tiefe.

Biene im Ohr
Und warum war das ganze brenzlig? Weil die Bienen doch neugierige Tierchen sind und selbst im Fieselregen aus der Beute kamen. Eine wollte meinem Mann ins Ohr krabbeln. Da war aber schnelles Handeln angesagt und der Bienenbesen nicht so schnell greifbar. Also habe ich die Biene mit einem Taschentuch aus dem Ohr gewischt. Ob sie schon vorher oder deshalb gestochen hat, konnte ich so schnell nicht sehen. Mein Mann war jedenfalls tapfer. Einen Stich hat er abbekommen. Mit etwas Glück ist das Gift im Taschentuch und nicht in seinem Ohr gelandet. Wie soll das bloß werden, wenn die Bienen meine Helfer vergraulen....?

Bienenumzüge im Winter
Und wenn sich noch jemand fragt, weshalb wir die Sache schon im Februar bei Nieselregen aufbauen, wenn man doch frühestens im April/Mai Ableger bildet, hier die Antwort: Ich wollte gerne den Stand von Queen Marlene in der DN-Beute abbauen, weil er mir zu hoch ist. Im Sommer kann ich den schweren Honigraum in dieser Höhe kaum alleine abheben.  Aber in den vergangenen Tagen kamen mir Zweifel, ob sich ein Teil der Sammelbienen wegen des milden Wetters nicht schon längst eingeflogen hat. Dann wäre ein Standortwechsel selbst um wenige Meter ungünstig, weil sie den neuen Platz nicht fänden. Also behalte ich den Standort noch eine Saison.


Der strahlende Sonnenschein lockte mich heute Mittag nach draußen, um "kurz" nach den Bienen zu sehen. Und - Volltreffer! Die Bienen wagten sich auch heraus - zum Reinigungsflug, wie man auf einem der Bilder gut sehen kann. Einige hatten es wohl so eilig, dass sie sich gleich auf dem Anflugbrett entleerten...

Da musste wohl jemand ganz nötig - erste Kotspritzer zieren das Anflugbrett....
Da musste wohl jemand ganz nötig - erste Kotspritzer zieren das Anflugbrett....

Ist für uns ja auch unvorstellbar, wie sie es schaffen, ihren Kot wochen-, ja monatelang zu halten, bis die Temperatur an einem Wintertag auf mindestens 10 bis 12 °C steigt und die Flugmuskulatur voll einsatzfähig ist. In diesem Winter war die Pause durch die milden Temperaturen bis weit in den Dezember hinein ja auch nur kurz.
Und nach dem Reinigungsflug einmal in den Spiegel schauen:

Diese Biene mag meinen Silberring.
Diese Biene landete auf meinem Silberring.

Ach ja, "kurz" nach den Bienenschauen wollte ich, aber dann traf ich den netten Nachbarn, der auch mal Imker war und jetzt bei Iglo arbeitet (produzieren Tiefkühlkost und bauen lässt in unserer Region Gemüse anbauen). Er berichtete, dass auch der Schnittlauch schon wächst.
Ein Hundebesitzer beobachtete ebenfalls die Bienen und erzählte, dass er regelmäßig meinen Blog verfolge. Nur einen Kritikpunkt habe er, ich dürfe doch nicht schreiben, dass Haltern am See zum Ruhrgebiet gehöre.... Die alte Diskussion: Alles was nördlich der Lippe liegt, zählt geographisch zum Münsterland; Haltern wurde aber 1929 aus dem münsterländischen Kreis Coesfeld abgezwackt und dem Ruhrgebietskreis Recklinghausen zugeordnet.
Wieder einmal nette Begegnungen, die ich ohne die Imkerei nicht hätte!

Das kleine Imkerlein bin ich, unterstützt vom großen Imkergehilfen - meinem Mann.
Das kleine Imkerlein, das unter die Folie linst, bin ich, unterstützt vom großen Imkergehilfen - meinem Mann. Hinter der Kamera, unsere Tochter.

Endlich ist es kalt genug, um den Varroamilben mit Oxalsäure zu Leibe zu rücken. Vorbedingung sind Brutfreiheit und kühle Temperaturen (besser bei -5 °C als bei +5°C behandeln). Die kalten Temperaturen haben wir nun endlich, heute Bodenfrost und  4°C. Ob Queen Marlene noch stiftet, habe ich nicht überprüft. Denn jetzt gilt es, die Zeit zu nutzen. In nomaltemperierten Wintern findet die Behandlung oft um Weihnachten herum statt.

50 ml der 2,5 %igen Oxalsäurelösung werden in die Spritze gezogen.
50 ml der 2,5 %igen Oxalsäurelösung werden in die Spritze gezogen.

Oxalsäure trifft erwachsene Milben
Die Oxalsäure wirkt gegen die erwachsenen Milben, die sich außerhalb verdeckelter Brutzellen aufhalten, aber nicht in die verdeckelte Brut hinein. Vor zwei Jahren habe ich die Wirkungsweise der Oxalsäure ausführlich beschrieben. Wer mag, kann es nachlesen.
Heute früh nun die Sachen zusammengesucht: Schutzbrille und Handschuhe, sowie die 3,5 %ige Oxalsäurelösung. Die hatte mir eine Imkerin schon gebrauchsfertig angemischt. Hier ein Rezept: 200 g Zucker und 35 Oxalsäure in etwa 3/4 l Wasser lösen und auf 1 Liter auffüllen. Für ein zweizargiges Volk werden 50 ml Oxalsäurelösung empfohlen.

Mit der spitzen Tülle, lässt sich die Oxalsäure in feinem Strahl in die Wabengassen träufeln.
Mit der spitzen Tülle, lässt sich die Oxalsäure in feinem Strahl in die Wabengassen träufeln.

Wo sitzt das Volk?
Zunächst galt es, den Sitz der Wintertraube festzustellen. Also den Deckel abgenommen und von oben hereingeschaut. Die Bienen saßen in der Mitte, zwischen den Zargen. In diesem Fall nimmt man einfach die obere Zarge ab und beträufelt die Bienen in der unteren. Beim gegenseitigen Abschlecken kommen dann hoffentlich auch die Bienen aus der oberen Etage zum Zuge.

Endlich mal wieder eine heimische Biene fotografiert. (Die Bienen in Kamerun von letzter Woche zählen da nicht).
Endlich mal wieder eine heimische Biene fotografiert. (Die Bienen in Kamerun von letzter Woche zählen da nicht).

Genügend Futter bis zum Frühjahr
Doch was heißt hier, einfach die Zarge abnehmen. Wie gut, dass mein Mann dabei war. Queen Marlene legt sehr viel Wert auf eine stabile Bauweise, hat alle Ritzen mit Propolis verkittet und auch die Waben zwischen den Etagen miteinander verbunden. So war viel Kraft gefordert, um die obere Zarge anzuheben.
Bei der Gelegenheit wurde auch gleich klar, dass der Futtervorrat noch genügend schwer wiegt.
Die Bienen saßen in einer eher lockeren Traube auf sieben Wabengassen, und nur wenige flogen auf. So konnte ich die Oxalsäure ohne Schleier in die Gassen spritzen. Begeistert bin ich von der spitz zulaufenden Tülle, die ich bei Pia Aumeier erstanden habe. Mit einem superfeinen Strahl ließ sich die Säure zügig verteilen. Dann schnell die Beute geschlossen, damit das Volk nicht auskühlt.

Als letztes die Varroawindel eingeschoben, um in ein paar Tagen den Behandlungserfolg zu kontrollieren. Und jetzt: Wochenende!
Als letztes die Varroawindel eingeschoben, um in ein paar Tagen den Behandlungserfolg zu kontrollieren. Und jetzt: Wochenende!

Sonnenblumen sauber ausgeputzt. Die Samen werden im Frühjahr auf der Blumenwiese landen.
Sonnenblumen sauber ausgeputzt. Die Samen werden im Frühjahr auf der Blumenwiese landen.

Dieser Post sollte eigentlich schon vor zwei Wochen erscheinen, aber da kamen ja die Milben dazwischen. Unter den Tisch fallen lassen möchte ich ihn aber auch nicht.... Es geht noch einmal um die Blumenwiese.
Wie ich schon angemerkt habe, fallen Distelfinken, Erlenzeisige und Co. über die Samenstände in der Blumenwiese her. Mein Vater - erfahrener Landwirt - riet mir, selbst Samen zur Wiederaussaat im nächsten Jahr zu sammeln, bevor die Vögel "alles" weggepickt haben.
Diese Befürchtung teile ich nicht ganz. Es werden schon genug Samen heruntergefallen sein, die den Winter überstehen oder die Kälte sogar benötigen, um im Frühjahr zu keimen. Trotzdem habe ich etwas Saatgut "geerntet". Schaut her, wie wunderschön sie sind:

Von links nach rechts: Ringelblume, Malve, Flachs, Wilde Möhre, Nelke, Taubenkropfleimkraut, Phazelia.
Von links nach rechts: Ringelblume, Malve, Flachs, Wilde Möhre, Nelke, Taubenkropfleimkraut und Phazelia.

Saatgut von F1-Hybriden taugt nicht
Hoffentlich gehen auch die Sonnenblumen auf. Im vergangenen Jahr hatte ich zwei handvoll ausgesät, die ich selbst gesammelt hatte. Doch gewachsen ist kaum etwas und groß geworden ist nur eine einzige Sonnenblume in unserem Garten.
Ich schätze, es waren Hybridpflanzen. Dass sich Hybride nicht vermehren, wusste ich, der Grund dafür wurde kürzlich in dem Film "Die Saatgut-Retter - Im Kampf gegen die Konzerne" gut erklärt.
Hier die Kurzform: Die Mutterpflanze und auch die Vaterpflanze wird über mehrere Generationen hinweg immer nur mit sich selbst befruchtet. Durch die Inzucht werden die Nachkommen immer reinerbiger, aber auch schwächer und anfälliger gegen Krankheiten. Bringt man jetzt aber Mutter- und Vaterpflanze zusammen, setzen sich oft positive Merkmale durch und es entstehen besonders leistungsstarke und widerstandsfähige F1-Nachkommen. Kreuzt man diese wieder miteinander, zeigen diese Nachkommen oftmals die schlechteren Eigenschaften der Eltern.
Deshalb ist mein Sonnenblumensaatgut wohl gar nicht erst aufgegangen, oder die Pflänzchen sind schon nach wenigen Wochen verkümmert.

So sah es vor der Behandlung mit Milchsäure aus - eine Varroamilbe lässt sich von einer Arbeiterin herumtragen.
So sah es vor der Behandlung mit Milchsäure aus - eine Varroamilbe lässt sich von einer Arbeiterin herumtragen.
Sie krabbeln nicht, und sind trotzdem schwer zu fotografieren: Varroamilben.
Sie krabbeln nicht, und sind trotzdem schwer zu fotografieren: Varroamilben.

Drei Tage nach dem Aufsprühen der Milchsäure habe ich nochmals die Varroa-Windel gezogen und gezählt. Zur Erinnerung, nach einem Tag lagen schon 96 Milben auf dem Papier, das aber zu einem Drittel aus der Beute heraus hing. Ich kann also davon ausgehen, dass nochmals etwa 30 Milben abgestürzt sind. Plus 30 weitere Milben, die ich am dritten Tag gezählt habe, sind also ca. 160 Milben gefallen.
Mein Eindruck ist, die meisten Milben sterben innerhalb des ersten Tages nach der Behandlung. Ich bin nun jedenfalls viel ruhiger. Eigentlich soll man nach einigen Tagen die Behandlung wiederholen. Wenn es aber so kalt ist, wie heute, ist es für die Bienen sehr unangenehm. Da brauchen sie lange, bis sie sich wieder auf die richtige Temperature gebracht haben.
Werde den Milbenbefall weiter beobachten und dann entscheiden, ob die Winterbehandlung mit Oxalsäure noch nötig ist.

Igitt! Von dieser Behandlung gegen die nervigen Milben waren die Bienen gar nicht begeistert. Fast regungslos versuchen sie zu verstehen, was ihnen passiert ist....
Igitt! Von der Milchsäure-Behandlung gegen die nervigen Milben waren die Bienen gar nicht begeistert. Fast regungslos versuchen sie zu verstehen, was ihnen passiert ist....

Es hat sich wieder einmal bestätigt: Befrage drei Imker zu einem Problem und Du erhältst (mindestens) vier Lösungen. Was also tun mit dem von Milben "gerittenen" Volk? Der Milbenbefall bei Marlene nach zwei Tagen: 7 Stück (also 3,5/Tag). Das kommt mir angesichts der Menge an Milben auf den Bienen - siehe Video im letzten Post - sehr wenig vor. Die kritische Grenze bei einem zweizargigen Volk liegt bei 5/Tag (Einzarger 1/Tag). Vielleicht haben aber auch einige Ameisen, die auf der Windel krabbelten, Milben weggeschleppt. Mir ist das Ganze nicht geheuer und so habe ich mich bei Fachleuten und erfahrenen Imkern umgehört. Danke an alle!
Die Auswahl der vorgeschlagenen Methoden:

MAQS
- Optimal wäre MAQS. Die mit Ameisensäure präparierten Streifen funktionieren auch bei kühlem Wetter und "schlachten" nur selten die Königin. (Sind schwer zu bekommen - mein Imkerfachhandel hat sie nicht vorrätig - und recht teuer.)

Ameisensäure im Dispenser
- Zwei Liebig-Dispenser mit 85%iger Ameisensäure aufstellen. (Hierzulande ist nur 65%ige Ameisensäure zugelassen, in Österreich z.B. die 85%ige. Pia Aumeier ist beispielsweise von dieser Konzentration überzeugt und erzielt zuverlässt gute Ergebnisse; 65%ige Ameisensäure verdunstet bei diesen Temperaturen nicht mehr ausreichend).

Ameisensäure per Schwammtuch
- Mindestens zwei Stoßbehandlungen mit der Schwammtuchmethode mit 65 %iger Ameisensäure (verdunstet bei Temperaturen über 15 °C, die zwar für die nächsten paar Tage angekündigt sind, aber wahrscheinlich nicht mehr herrschen, wenn ich Teil II der Behandlung durchführen möchte).

Milchsäurebehandlung
- Die Bienen mit 15 %iger Milchsäure besprühen, und zwar je nach Bienenbesatz mit 5 bis 8 ml pro Wabe. Bei starkem Befall muss die Behandlung nach vier Tagen wiederholt werden. Kann bei Tagestemperaturen zwischen 12 und 5 °C eingesetzt werden.  (Das ist die Behandlung meiner Wahl.)

Mit einem feinen Sprühstrahl wird die Ameisensäure auf die Bienen gestäubt. Sieht auf dem Bild heftiger aus, als es war.
Mit einem feinen Sprühstrahl wird die Milchsäure auf die Bienen gestäubt. Sieht auf dem Bild heftiger aus, als es war.

Ganz ehrlich, die Hiobsbotschaft vom Montag hat mich schon sehr genervt - und bis ich endlich die Infos beisammenhatte, um mich entscheiden zu können. Und nochmals die Klamotten für die Behandlung rausholen (Schutzhandschuhe, Schutzbrille, Gummistiefel).... Wie schön wäre es ohne Varroamilben! Immerhin habe ich so wieder einiges recherchiert und gelernt.
Im Detail: Die Milchsäure wirkt nur auf die Milben, die auf den Bienen sitzen. Die Brut bekommt davon nichts mit - deshalb sollte das Volk möglichst brutfrei sein. Erstaunlicherweise ist meines fast so weit, obwohl vor einigen Tagen noch ein größeres Brutnest vorhanden war.
Die Milchsäure verätzt die Mundwerkzeuge der Milben, sodass sie sie verhungern. Durch einmalige Behandlung sollen etwa 80 % sterben, durch eine zweite etwa 90 %.

Keine Drohnen im Winter? Nicht mit Marlene. Konzentriert auf eine Wabe saßen allein vier Herren.
Keine Drohnen im Winter? Nicht mit Marlene! Konzentriert auf eine Wabe saßen allein vier Herren.

So wird´s gemacht
Milchsäure in einen Handsprüher einfüllen (etwa 100 bis 150 ml/Zarge würde ich benötigen, eingefüllt habe ich wegen des besseren Handlings 350 ml). Den Handsprüher in ein heißes Wasserbad legen und die Milchsäure auf diese Weise auf handwarme Temperatur erwärmen. In ein Tuch einschlagen und ab zum Bienenstand.
Dort zunächst eine Wabe entnommen und die anderen gelockert (die Bienen hatten die Waben zwischen den Zargen so fest miteinander verbaut, dass sich die Zarge nicht abnehmen ließ). Die Behandlung muss möglichst schnell ablaufen, damit das Volk nicht auskühlt. Zum Glück herrschten Temperaturen um 15 °C. Und dann los: Rähmchen entnommen, mit einer Hand gehalten und auf dem Deckel abgestützt und mit der anderen besprüht - nach Gefühl, sodass die Bienen benetzt, aber nicht klatschnass waren. "Geübt" habe ich dies ja schon im Sommer, um den Schwarm zu behandeln. Wer weiter lesen möchte, schaue beim Bayerischen Landesamt für Landwirtschaft, Weinbau und Gartenbau.
Verbraucht habe ich letztlich nur 170 ml, aber ich denke, das ist in Ordnung, denn es waren natürlich nicht alle Waben voll besetzt.

asdf
Zum Schluss noch ein Schnappschuss vom Bienenbesuch auf den Herbstastern in der Mittagssonne.

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Die letzte Vorsorge für den Winter ist nun auch erledigt: Die Mäusegitter sind angebracht. Denn auch die kleinen Nager suchen eine warme Unterkunft für den Winter, frei nach Rilke "Wer jetzt kein Haus hat...":

Herr, es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren lass die Winde los.

Befiehl den letzten Früchten, voll zu sein;
gib ihnen noch zwei südlichere Tage,
dränge sie zur Vollendung hin, und jage
die letzte Süße in den schweren Wein.

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.
Rainer Maria Rilke, 21.9.1902, Paris

Wollen wir hoffen, dass der Winter nicht ganz so trostlos wird - wir haben ja Wachs aus dem man wunderbare Kerzen gießen kann, die dann für heimeliges Licht und Wärme sorgen.

Hauptsache, das Gitter ist scharf.... Die pollenbeladenen Biene windet sich durch die Maschen, die Ausfliegende hat es kapiert - durchs Maschentor kommt sie schneller raus.
Hauptsache, das Gitter ist scharf.... Die pollenbeladene Biene windet sich durch die Maschen, die Ausfliegende hat es kapiert - durchs Maschentor kommt sie schneller raus.

Mäusegitter verengt das Flugloch
Aber zurück zu den Mäusegittern. Wann sollte man sie anbringen? An einem Tag mit gutem Flugwetter, denn sonst könnte eine bereits in die Beute eingezogene Maus eingeschlossen wird. Solange die Bienen noch aktiv sind, greifen sie die Maus wütend an und töten sie mit ihren Stichen (weshalb die stechenden Bienen dann selbst sterben). Befreundete Imker haben schon mumifizierte Mäuse gesehen, die ganz mit Propolis überzogen waren.

Keine Gegenwehr im Winter
Wenn die Bienen aber fest in der Wintertraube sitzen, wehren sie sich nicht mehr. Die Maus darf sich freuen, sie hat nicht nur eine komfortable Wohnung mit Heizung, sondern auch noch einen riesigen Futtervorrat.
Ich nutze Gitter mit einer Maschenweite von 6 mm und bringe sie so an, dass die Zinken nach unten hin offen sind. So fällt es den Bienen leichter, tote Bienen nach draußen zu schieben. Auf dem Video ist gut zu sehen, wie sich die Bienen durch das Gitter zappeln.
Mal sehen, wie intelligent sie sind, einige haben schon kapiert, dass sie unten einfach reinlaufen können....

Austausch im Verein
Gestern Abend war ich übrigens bei der Monatsversammlung unseres Imkervereins. Es war wieder sehr nett, der Austausch rege. Einem Verein beizutreten, kann ich wirklich nur jedem Imker raten. Leider gibt es bei uns gerade Theater in der Verbandspolitik (nicht im eigenen Verein), was uns dann wieder davon abhält, von den Bienen zu schwärmen - was wir ja eigentlich wollen....

Nach dem Einengen: Der untere Brutraum ist weg, jetzt dienen der frühere obere Brutraum und der Honigraum als Brutstätte.
Nach dem Einengen: Der untere Brutraum mit dem alten Wachs ist weg. Jetzt dienen der frühere obere Brutraum und der Honigraum als Brutstätte.
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Endlich ist die Imkerin fertig und die Bienen können nach Hause zurückkehren.

Damit hatte ich nicht gerechnet: Noch immer hält Marlene im unteren Brutraum ein recht großes Brutnest über vier Rähmchen vor. Genauso, wie es sich vor zwei Wochen schon zeigte.
Ich hätte erwartet, dass sie doch endlich - lehrbuchmäßig - nach oben gezogen wäre. Was also tun? Die Ameisensäurebehandlung und das Auffüttern möchte ich erst durchführen, wenn das Volk eingeengt ist. Und für Beides wird es allmählich Zeit.

Manche haben sich allerdings verflogen und bettelten nebenan um Einlass.
Sehr viele haben sich allerdings verflogen und bettelten nebenan um Einlass. Dort war´s einfach mal ruhig.

Brutwaben umgehängt
Also habe ich für die Brutwaben im oberen Honigraum Platz geschaffen und sie dorthin umgehängt. Dann den unteren Brutraum mit dem sehr dunklen Wachs weggenommen, den oberen Brutraum an seine Stelle gesetzt und den Honigraum oben drauf.
Jetzt blieb "nur" noch, die Bienen von den Waben zu fegen. Dazu habe ich eine leere Zarge (als Trichter) aufgesetzt und die Bienen abgestoßen. Da leider der Wassersprenger defekt ist - Kinder können den ja immer gebrauchen - sind natürlich viele Bienen aufgeflogen. Ruckzuck saßen sie auch wieder auf den Waben, die ich zum Abtransport in einer Zarge auf der Schubkarre platziert hatte. Also nichts, wie ab nach Hause. Dort habe ich den Kram erst einmal stehen gelassen, in der Hoffnung, die Bienen fliegen zurück zum Stock. Aber es wurden immer mehr. Also habe ich sie abermals abgefegt, die Schubkarre in den Holzschuppen, die Waben in die Garage und mit der Trichterzarge schließlich hinten rum ins Haus geflüchtet, weil vor der Garage zu viele Bienen flogen. So ein Gewiggel!

Der dreitägige Dauerregen hat der Beute zugesetzt - schwarze Stockflecken breiten sich aus. Optisch nicht schön, aber für die Bienen kein Problem.
Der dreitägige Dauerregen hat der Beute zugesetzt - schwarze Stockflecken breiten sich aus. Optisch nicht schön, aber für die Bienen kein Problem.

Zu den typischen Tätigkeiten am Bienenstand im Spätsommer zählt das Einengen der Völker - man entfernt den Honigraum und entnimmt auch altes Wachs.
Lehrbuchmäßig sollte dies ab Mitte August möglich sein und durchgeführt werden. Ich wollte Königin Marlene mit ihrem Volk einengen, den Honigraum als Brutraum geben und die untere Brutraumzarge mit den dunklen Waben entfernen - Stichwort Wabenhygiene. Ich habe das Volk auf diesen Waben geschenkt bekommen und weiß gar nicht, wie alt sie sind. Wahrscheinlich hätte ich sie schon im vergangenen Jahr austauschen müssen, aber da hielten mich die Maikrankheit und die Völkerzusammenführung auf Trab.

Anschluss zum Honigvorrat
Im Laufe des Sommers ziehen die Bienen mit ihrem Brutnest in den oberen Brutraum, weil sie immer Anschluss zum Honigvorrat suchen. Etwa Mitte August sollte laut Dr. Liebig (Einfach imkern: Leitfaden zum Bienenhalten) der untere Brutraum weitgehend frei sein. Einzelne noch besetzte Brutwaben würde man kurzzeitig nach oben  hängen. Ich war gespannt, wie es in der DN-Beute aussehen würde.

Diese Brutwabe mit altem Wachs muss dringend ausgetauscht werden - aber sie steckt noch voller (auch unverdeckelter) Brut.
Diese Brutwabe mit altem Wachs muss dringend ausgetauscht werden - aber sie steckt noch voller (auch unverdeckelter) Brut.

Marlene beansprucht viel Platz
Für diese Aktion hatte ich mich mit den üblichen Utensilien, Smoker und einer zusätzlichen Zarge ausgestattet. Der Blick ins Volk zeigte ein großes, kompaktes Brutnest ober mindestens vier Waben. Ich habe dann gar nicht weiter geschaut. Liegt es nun daran, dass die Bienen im oberen Raum viel Honig eingelagert haben? Oder halten sich auch andere Völker bedingt durch die warme Witterung oder welche Umstände auch immer, noch unten im Brutraum auf?
Habe die Beute wieder in den Urzustand zurückversetzt und werde in zwei Wochen noch einmal schauen.

Helene will sich nicht ausdehnen
Ein Blick auf die genügsame Helene: Trotz Futtergaben mögen ihre Bienen noch immer nicht die beiden zusätzlichen Rähmchen annehmen. Aber das wird schon noch. Irgendwann wird es ihnen mit Futter und Brut zu eng werden....

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Drei besonders hungrige Arbeiterinnen probierten direkt ein Schlückchen.
Her mit dem Futter: Drei besonders hungrige Arbeiterinnen probierten direkt ein Schlückchen.

Bei der letzten Völkerdurchsicht musste ich feststellen, dass der Schwarm kaum Futter eingelagert hat. Sie werden während der trüben Vollzeit-Regentage keinen Hunger gelitten haben, aber ich habe am Montag mit dem Auffüttern begonnen. Da hatte sie was zu tun, wenn sie schon nicht fliegen konnten und die Gefahr der Räuberei durch andere Bienen oder Wespen war bei strömenden Regen auch nicht gegeben.

Das Zuckerwasser habe ich zuhause angerührt und in Wasserflaschen abgefüllt. So lässt es sich ohne Kleckerei in die Futtertasche gießen.
Das Zuckerwasser habe ich zuhause angerührt und in Wasserflaschen abgefüllt. So lässt es sich ohne Kleckerei in die Futtertasche gießen.

Fürs Futter habe ich Zucker in lauwarmem Wasser im Verhältnis 3:2 aufgelöst. Insgesamt 1,5 l gab es am Montag, und heute war kein Tröpfchen mehr davon da. Also gab es am Mittwoch die zweite Portion.

Als Schimmhilfe noch einen Zweig mit Blättern hineingelegt, damit keine untergeht.
Wer allzu gierig ist, geht leicht unter. Ein Zweig mit Blättern dient zum Festhalten und Ausstieghilfe.

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DSC_0274Auf Ingrids Blumenwiese wächst es vor allem hoch: Natternkopf mit blauen Blüten und eine Pflanze mit weit ausladenden "Ästen", die ich nicht kenne.
Der Natternkopf ist eine "einheimische, schwach giftige Pflanze mit guten Bienenweideigenschaften", um einmal mehr die Honigmacher zu zitieren. Die anfangs rot, später blau blühende Pflanze ist mir schon bei meinen Eltern aufgefallen. Am mageren Wegesrand wächst sie dort viel üppiger als drei Meter weiter im immer mal gedüngten Blumenbeet.
Kennt denn jemand die senfgelbe Pflanze im Vordergrund?

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