Arbeiten fürs Volk

Igitt! Von dieser Behandlung gegen die nervigen Milben waren die Bienen gar nicht begeistert. Fast regungslos versuchen sie zu verstehen, was ihnen passiert ist....
Igitt! Von der Milchsäure-Behandlung gegen die nervigen Milben waren die Bienen gar nicht begeistert. Fast regungslos versuchen sie zu verstehen, was ihnen passiert ist....

Es hat sich wieder einmal bestätigt: Befrage drei Imker zu einem Problem und Du erhältst (mindestens) vier Lösungen. Was also tun mit dem von Milben "gerittenen" Volk? Der Milbenbefall bei Marlene nach zwei Tagen: 7 Stück (also 3,5/Tag). Das kommt mir angesichts der Menge an Milben auf den Bienen - siehe Video im letzten Post - sehr wenig vor. Die kritische Grenze bei einem zweizargigen Volk liegt bei 5/Tag (Einzarger 1/Tag). Vielleicht haben aber auch einige Ameisen, die auf der Windel krabbelten, Milben weggeschleppt. Mir ist das Ganze nicht geheuer und so habe ich mich bei Fachleuten und erfahrenen Imkern umgehört. Danke an alle!
Die Auswahl der vorgeschlagenen Methoden:

MAQS
- Optimal wäre MAQS. Die mit Ameisensäure präparierten Streifen funktionieren auch bei kühlem Wetter und "schlachten" nur selten die Königin. (Sind schwer zu bekommen - mein Imkerfachhandel hat sie nicht vorrätig - und recht teuer.)

Ameisensäure im Dispenser
- Zwei Liebig-Dispenser mit 85%iger Ameisensäure aufstellen. (Hierzulande ist nur 65%ige Ameisensäure zugelassen, in Österreich z.B. die 85%ige. Pia Aumeier ist beispielsweise von dieser Konzentration überzeugt und erzielt zuverlässt gute Ergebnisse; 65%ige Ameisensäure verdunstet bei diesen Temperaturen nicht mehr ausreichend).

Ameisensäure per Schwammtuch
- Mindestens zwei Stoßbehandlungen mit der Schwammtuchmethode mit 65 %iger Ameisensäure (verdunstet bei Temperaturen über 15 °C, die zwar für die nächsten paar Tage angekündigt sind, aber wahrscheinlich nicht mehr herrschen, wenn ich Teil II der Behandlung durchführen möchte).

Milchsäurebehandlung
- Die Bienen mit 15 %iger Milchsäure besprühen, und zwar je nach Bienenbesatz mit 5 bis 8 ml pro Wabe. Bei starkem Befall muss die Behandlung nach vier Tagen wiederholt werden. Kann bei Tagestemperaturen zwischen 12 und 5 °C eingesetzt werden.  (Das ist die Behandlung meiner Wahl.)

Mit einem feinen Sprühstrahl wird die Ameisensäure auf die Bienen gestäubt. Sieht auf dem Bild heftiger aus, als es war.
Mit einem feinen Sprühstrahl wird die Milchsäure auf die Bienen gestäubt. Sieht auf dem Bild heftiger aus, als es war.

Ganz ehrlich, die Hiobsbotschaft vom Montag hat mich schon sehr genervt - und bis ich endlich die Infos beisammenhatte, um mich entscheiden zu können. Und nochmals die Klamotten für die Behandlung rausholen (Schutzhandschuhe, Schutzbrille, Gummistiefel).... Wie schön wäre es ohne Varroamilben! Immerhin habe ich so wieder einiges recherchiert und gelernt.
Im Detail: Die Milchsäure wirkt nur auf die Milben, die auf den Bienen sitzen. Die Brut bekommt davon nichts mit - deshalb sollte das Volk möglichst brutfrei sein. Erstaunlicherweise ist meines fast so weit, obwohl vor einigen Tagen noch ein größeres Brutnest vorhanden war.
Die Milchsäure verätzt die Mundwerkzeuge der Milben, sodass sie sie verhungern. Durch einmalige Behandlung sollen etwa 80 % sterben, durch eine zweite etwa 90 %.

Keine Drohnen im Winter? Nicht mit Marlene. Konzentriert auf eine Wabe saßen allein vier Herren.
Keine Drohnen im Winter? Nicht mit Marlene! Konzentriert auf eine Wabe saßen allein vier Herren.

So wird´s gemacht
Milchsäure in einen Handsprüher einfüllen (etwa 100 bis 150 ml/Zarge würde ich benötigen, eingefüllt habe ich wegen des besseren Handlings 350 ml). Den Handsprüher in ein heißes Wasserbad legen und die Milchsäure auf diese Weise auf handwarme Temperatur erwärmen. In ein Tuch einschlagen und ab zum Bienenstand.
Dort zunächst eine Wabe entnommen und die anderen gelockert (die Bienen hatten die Waben zwischen den Zargen so fest miteinander verbaut, dass sich die Zarge nicht abnehmen ließ). Die Behandlung muss möglichst schnell ablaufen, damit das Volk nicht auskühlt. Zum Glück herrschten Temperaturen um 15 °C. Und dann los: Rähmchen entnommen, mit einer Hand gehalten und auf dem Deckel abgestützt und mit der anderen besprüht - nach Gefühl, sodass die Bienen benetzt, aber nicht klatschnass waren. "Geübt" habe ich dies ja schon im Sommer, um den Schwarm zu behandeln. Wer weiter lesen möchte, schaue beim Bayerischen Landesamt für Landwirtschaft, Weinbau und Gartenbau.
Verbraucht habe ich letztlich nur 170 ml, aber ich denke, das ist in Ordnung, denn es waren natürlich nicht alle Waben voll besetzt.

asdf
Zum Schluss noch ein Schnappschuss vom Bienenbesuch auf den Herbstastern in der Mittagssonne.

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Die letzte Vorsorge für den Winter ist nun auch erledigt: Die Mäusegitter sind angebracht. Denn auch die kleinen Nager suchen eine warme Unterkunft für den Winter, frei nach Rilke "Wer jetzt kein Haus hat...":

Herr, es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren lass die Winde los.

Befiehl den letzten Früchten, voll zu sein;
gib ihnen noch zwei südlichere Tage,
dränge sie zur Vollendung hin, und jage
die letzte Süße in den schweren Wein.

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.
Rainer Maria Rilke, 21.9.1902, Paris

Wollen wir hoffen, dass der Winter nicht ganz so trostlos wird - wir haben ja Wachs aus dem man wunderbare Kerzen gießen kann, die dann für heimeliges Licht und Wärme sorgen.

Hauptsache, das Gitter ist scharf.... Die pollenbeladenen Biene windet sich durch die Maschen, die Ausfliegende hat es kapiert - durchs Maschentor kommt sie schneller raus.
Hauptsache, das Gitter ist scharf.... Die pollenbeladene Biene windet sich durch die Maschen, die Ausfliegende hat es kapiert - durchs Maschentor kommt sie schneller raus.

Mäusegitter verengt das Flugloch
Aber zurück zu den Mäusegittern. Wann sollte man sie anbringen? An einem Tag mit gutem Flugwetter, denn sonst könnte eine bereits in die Beute eingezogene Maus eingeschlossen wird. Solange die Bienen noch aktiv sind, greifen sie die Maus wütend an und töten sie mit ihren Stichen (weshalb die stechenden Bienen dann selbst sterben). Befreundete Imker haben schon mumifizierte Mäuse gesehen, die ganz mit Propolis überzogen waren.

Keine Gegenwehr im Winter
Wenn die Bienen aber fest in der Wintertraube sitzen, wehren sie sich nicht mehr. Die Maus darf sich freuen, sie hat nicht nur eine komfortable Wohnung mit Heizung, sondern auch noch einen riesigen Futtervorrat.
Ich nutze Gitter mit einer Maschenweite von 6 mm und bringe sie so an, dass die Zinken nach unten hin offen sind. So fällt es den Bienen leichter, tote Bienen nach draußen zu schieben. Auf dem Video ist gut zu sehen, wie sich die Bienen durch das Gitter zappeln.
Mal sehen, wie intelligent sie sind, einige haben schon kapiert, dass sie unten einfach reinlaufen können....

Austausch im Verein
Gestern Abend war ich übrigens bei der Monatsversammlung unseres Imkervereins. Es war wieder sehr nett, der Austausch rege. Einem Verein beizutreten, kann ich wirklich nur jedem Imker raten. Leider gibt es bei uns gerade Theater in der Verbandspolitik (nicht im eigenen Verein), was uns dann wieder davon abhält, von den Bienen zu schwärmen - was wir ja eigentlich wollen....

Nach dem Einengen: Der untere Brutraum ist weg, jetzt dienen der frühere obere Brutraum und der Honigraum als Brutstätte.
Nach dem Einengen: Der untere Brutraum mit dem alten Wachs ist weg. Jetzt dienen der frühere obere Brutraum und der Honigraum als Brutstätte.
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Endlich ist die Imkerin fertig und die Bienen können nach Hause zurückkehren.

Damit hatte ich nicht gerechnet: Noch immer hält Marlene im unteren Brutraum ein recht großes Brutnest über vier Rähmchen vor. Genauso, wie es sich vor zwei Wochen schon zeigte.
Ich hätte erwartet, dass sie doch endlich - lehrbuchmäßig - nach oben gezogen wäre. Was also tun? Die Ameisensäurebehandlung und das Auffüttern möchte ich erst durchführen, wenn das Volk eingeengt ist. Und für Beides wird es allmählich Zeit.

Manche haben sich allerdings verflogen und bettelten nebenan um Einlass.
Sehr viele haben sich allerdings verflogen und bettelten nebenan um Einlass. Dort war´s einfach mal ruhig.

Brutwaben umgehängt
Also habe ich für die Brutwaben im oberen Honigraum Platz geschaffen und sie dorthin umgehängt. Dann den unteren Brutraum mit dem sehr dunklen Wachs weggenommen, den oberen Brutraum an seine Stelle gesetzt und den Honigraum oben drauf.
Jetzt blieb "nur" noch, die Bienen von den Waben zu fegen. Dazu habe ich eine leere Zarge (als Trichter) aufgesetzt und die Bienen abgestoßen. Da leider der Wassersprenger defekt ist - Kinder können den ja immer gebrauchen - sind natürlich viele Bienen aufgeflogen. Ruckzuck saßen sie auch wieder auf den Waben, die ich zum Abtransport in einer Zarge auf der Schubkarre platziert hatte. Also nichts, wie ab nach Hause. Dort habe ich den Kram erst einmal stehen gelassen, in der Hoffnung, die Bienen fliegen zurück zum Stock. Aber es wurden immer mehr. Also habe ich sie abermals abgefegt, die Schubkarre in den Holzschuppen, die Waben in die Garage und mit der Trichterzarge schließlich hinten rum ins Haus geflüchtet, weil vor der Garage zu viele Bienen flogen. So ein Gewiggel!

Der dreitägige Dauerregen hat der Beute zugesetzt - schwarze Stockflecken breiten sich aus. Optisch nicht schön, aber für die Bienen kein Problem.
Der dreitägige Dauerregen hat der Beute zugesetzt - schwarze Stockflecken breiten sich aus. Optisch nicht schön, aber für die Bienen kein Problem.

Zu den typischen Tätigkeiten am Bienenstand im Spätsommer zählt das Einengen der Völker - man entfernt den Honigraum und entnimmt auch altes Wachs.
Lehrbuchmäßig sollte dies ab Mitte August möglich sein und durchgeführt werden. Ich wollte Königin Marlene mit ihrem Volk einengen, den Honigraum als Brutraum geben und die untere Brutraumzarge mit den dunklen Waben entfernen - Stichwort Wabenhygiene. Ich habe das Volk auf diesen Waben geschenkt bekommen und weiß gar nicht, wie alt sie sind. Wahrscheinlich hätte ich sie schon im vergangenen Jahr austauschen müssen, aber da hielten mich die Maikrankheit und die Völkerzusammenführung auf Trab.

Anschluss zum Honigvorrat
Im Laufe des Sommers ziehen die Bienen mit ihrem Brutnest in den oberen Brutraum, weil sie immer Anschluss zum Honigvorrat suchen. Etwa Mitte August sollte laut Dr. Liebig (Einfach imkern: Leitfaden zum Bienenhalten) der untere Brutraum weitgehend frei sein. Einzelne noch besetzte Brutwaben würde man kurzzeitig nach oben  hängen. Ich war gespannt, wie es in der DN-Beute aussehen würde.

Diese Brutwabe mit altem Wachs muss dringend ausgetauscht werden - aber sie steckt noch voller (auch unverdeckelter) Brut.
Diese Brutwabe mit altem Wachs muss dringend ausgetauscht werden - aber sie steckt noch voller (auch unverdeckelter) Brut.

Marlene beansprucht viel Platz
Für diese Aktion hatte ich mich mit den üblichen Utensilien, Smoker und einer zusätzlichen Zarge ausgestattet. Der Blick ins Volk zeigte ein großes, kompaktes Brutnest ober mindestens vier Waben. Ich habe dann gar nicht weiter geschaut. Liegt es nun daran, dass die Bienen im oberen Raum viel Honig eingelagert haben? Oder halten sich auch andere Völker bedingt durch die warme Witterung oder welche Umstände auch immer, noch unten im Brutraum auf?
Habe die Beute wieder in den Urzustand zurückversetzt und werde in zwei Wochen noch einmal schauen.

Helene will sich nicht ausdehnen
Ein Blick auf die genügsame Helene: Trotz Futtergaben mögen ihre Bienen noch immer nicht die beiden zusätzlichen Rähmchen annehmen. Aber das wird schon noch. Irgendwann wird es ihnen mit Futter und Brut zu eng werden....

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Drei besonders hungrige Arbeiterinnen probierten direkt ein Schlückchen.
Her mit dem Futter: Drei besonders hungrige Arbeiterinnen probierten direkt ein Schlückchen.

Bei der letzten Völkerdurchsicht musste ich feststellen, dass der Schwarm kaum Futter eingelagert hat. Sie werden während der trüben Vollzeit-Regentage keinen Hunger gelitten haben, aber ich habe am Montag mit dem Auffüttern begonnen. Da hatte sie was zu tun, wenn sie schon nicht fliegen konnten und die Gefahr der Räuberei durch andere Bienen oder Wespen war bei strömenden Regen auch nicht gegeben.

Das Zuckerwasser habe ich zuhause angerührt und in Wasserflaschen abgefüllt. So lässt es sich ohne Kleckerei in die Futtertasche gießen.
Das Zuckerwasser habe ich zuhause angerührt und in Wasserflaschen abgefüllt. So lässt es sich ohne Kleckerei in die Futtertasche gießen.

Fürs Futter habe ich Zucker in lauwarmem Wasser im Verhältnis 3:2 aufgelöst. Insgesamt 1,5 l gab es am Montag, und heute war kein Tröpfchen mehr davon da. Also gab es am Mittwoch die zweite Portion.

Als Schimmhilfe noch einen Zweig mit Blättern hineingelegt, damit keine untergeht.
Wer allzu gierig ist, geht leicht unter. Ein Zweig mit Blättern dient zum Festhalten und Ausstieghilfe.

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DSC_0274Auf Ingrids Blumenwiese wächst es vor allem hoch: Natternkopf mit blauen Blüten und eine Pflanze mit weit ausladenden "Ästen", die ich nicht kenne.
Der Natternkopf ist eine "einheimische, schwach giftige Pflanze mit guten Bienenweideigenschaften", um einmal mehr die Honigmacher zu zitieren. Die anfangs rot, später blau blühende Pflanze ist mir schon bei meinen Eltern aufgefallen. Am mageren Wegesrand wächst sie dort viel üppiger als drei Meter weiter im immer mal gedüngten Blumenbeet.
Kennt denn jemand die senfgelbe Pflanze im Vordergrund?

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Gruß von der Blumenwiese: Vor dem Mähen habe ich einige Blumen gerettet und Sonnenblumen stehen gelassen.
Gruß von der Blumenwiese: Vor dem Mähen habe ich einige Blumen gerettet und Sonnenblumen stehen gelassen.

So, dem Gänsefuß geht es an den Kragen - besser an die Wurzeln. Danke an Nicolle, die am Mittwoch bei Hitze und zeitweisem Nieselregen beherzt zugegriffen hat! Nette Gespräche, Entdeckungen bei den Blühpflanzen, gemeinsam etwas tun - das hat Spaß gemacht!
Inzwischen ist fast die Hälfte der Blumenwiese von Gänsefuß/Ackermelde befreit. Seht her:

Ganz schön ausgedünnt: Die rechte Hälfte ist von Ackermelde befreit, links steht sie noch dicht.
Ganz schön ausgedünnt: Die rechte Hälfte ist von Ackermelde befreit, links steht sie noch dicht.

Nun müssen wir leider auch noch die ausgezogenen Pflanzen abräumen. Meine Hoffnung war, dass die Samen noch nicht reif sind, weil die Samenstände noch grün sind. Doch gestern traf ich unseren Nachbarn, der vorsichtig ein einzelnes Samenkorn aus der Hülle pulte und feststellte: es ist schwarz und damit reif. Herrje!

Reifeprüfung: Spannung, bis das Samenkorn "ausgepackt" ist - es ist bereits schwarz und damit reif.
Reifeprüfung: Spannung, bis das Samenkorn "ausgepackt" ist - es ist bereits schwarz und damit reif.

Die restliche Wiese - wirklich mehr Gänsefuß als alles andere, werde ich mit der Sense abmähen.

Das Sensen erinnert mich an meine Kindheit. Vor allem mein Opa nahm sie zur Hand, um damit die Grasstreifen an den Wegrändern in schach zu halten....
Das Sensen erinnert mich an meine Kindheit. Vor allem mein Opa nahm sie zur Hand, um damit die Grasstreifen an den Wegrändern in schach zu halten....

Und damit der Gänsefuß sich nicht gleich wieder neue auf die Socken macht, säe ich nochmals eine Blumenwiesenmischung mit Grasanteil nach. So wächst hoffentlich schnell eine kräftige Untersaat heran, die den Gänsefüßen ein Bein stellt. Herrlich, welche Wortspiele sich ergeben...

Ein Traum in Lila mit gelben Farbtupfern: Phazelia und Raps.
Blumenwiese Ende Juni: Ein Traum in Lila mit gelben Farbtupfern: Phazelia und Raps. Und wie das summt! Vor allem Hummeln tummeln sich hier - es müssen Tausende sein.

Nie hätte ich mit so viel Unkraut in der Blumenwiese gerechnet. Das habe ich mir wirklich anders vorgestellt!  Der Gänsefuß überdeckt fast alles - und von der geringen Blütenvielfalt bin ich auch enttäuscht.... So sieht die Wiese nämlich aktuell nach der kurzen Hitzeperiode aus:

Die Phazelia ist weitgehend verblüht, vereinzelt blühen Kornblume, Borretsch, Buchweizen, Mohn - aber wirklich nur ganz verzeinzelt....
Die Phazelia ist weitgehend verblüht, vereinzelt blühen Kornblume, Borretsch, Buchweizen, Mohn - aber wirklich nur ganz verzeinzelt.... Im hinteren Bereich steht vor allem Ackermelde, auch Gänsefuß genannt.
Der Weiße Gänsefuß.
Sieht so unschuldig aus: Der Weiße Gänsefuß.

Wie es der Zufall so will, lernte ich in der vergangenen Woche einen neuen Nachbarn kennen, der als promovierter Agrarwissenschaftler und ehemaliger Imker sowohl Ahnung von Blumen als auch von Bienen hat. Für den Tiefkühlkost-Hersteller Iglo hat er die Blumenmischung für den Blühstreifen entwickelt, die von den Vertragsbauern an den Feldrändern ausgeät wird. Wir haben uns lange und ausführlich unterhalten.

Das Unkraut stoppen
Die Essenz daraus: Auf keinen Fall darf sich der Gänsefuß aussäen - das würde gleich millionenfach geschehen und andere Blühpflanzen künftig verdrängen. (Habe mal eben bei Wikipedia geschaut: Eine große Pflanze kann bis zu 1,5 Millionen Samen produzieren, die sich bis zu 1700 Jahre im Boden halten - unglaublich!) Also, raus damit!

Der Fachmann schlägt zwei Möglichkeiten vor:
1. Wieder einmal mit manpower ran an die Blumenwiese und den Gänsefuß rausziehen, eventuell Blumensaat nachsäen. Nach den Erfahrungen, die ich bereits gemacht habe, bin ich wenig begeistert - das Ergebnis von einer Stunde Zupfen ist kaum sichtbar....

Die Samenstände
Aus der Nähe betrachtet sind die Samenstände des Gänsefußes auch noch besonders schön - bitte zur Vergrößerung anklicken.

2. Die Fläche mulchen (abmähen und gleichzeitig zerkleinern - damit sind auch die Blumen weg), drei Wochen ruhen lassen, (mit Pflanzenschutzmittel spritzen) und neu einsäen. Dieses Mal mit einer ausgewogeneren Saatgutmischung, die auch eine Untersaat aus Gras oder Klee beeinhaltet. Die Untersaat wächst schnell und dicht, sodass der Gänsefuß sich nicht ausbreiten kann. (Ich hoffe, ich habe alles richtig behalten.) Kostet auch wieder viel Arbeit und Geld - und bedeutet erneut eine Suche nach jemandem, der die passenden Gerätschaften hat.

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Immerhin entstehen in der Abendsonne stimmungsvolle Bilder von der Phazelia.

Wir jäten und mähen
Was also tun? Heute habe ich mich mit Imkerpatin Mechthild beraten. Das Ergebnis: Ich werde den vorderen Teil der Wiese (an der das Blumenwiesenschild steht) jäten, denn hier war ich schon fleißig und der Unkrautdruck ist nicht ganz so hoch. Den Rest werden wir mit Sensen abmähen und das Schnittgut entfernen. Und dann nachsäen, entweder Blumenmischung oder Klee als Untersaat - dazu darf ich vielleicht den neuen Nachbarn noch einmal fragen?

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Brut, Pollen, Honig - alles kunterbunt durcheinander.
Brut, Pollen, Honig - alles kunterbunt durcheinander. Darüber kann auch das weiche Licht der Abendsonne nicht hinweg täuschen.
Der Wildbau treibt an einem Rähmchen schöne Herzwaben in Doppelbesetzung, die ich entferne. (Daraus werde ich Wachsauflagen herstellen.)
Der Wildbau treibt an einem Rähmchen schöne Herzwaben in Doppelbesetzung, die ich entferne, da es beim Wabenziehen eng wird. Werde das helle Wachs zur Herstellung von Wachauflagen nutzen.

So eine Unordnung! Verdeckelte Brut, Pollen und Honig kunterbunt durcheinander! Das kenne ich ja gar nicht! Helene, die nun doch fleißig stiftet, überraschte mich bei der Durchsicht mit diesem ungewohnten Bild.

Platzmangel im Brutnest?
Und sofort begionne ich wieder zu rätseln, warum die Bienen die Zellen auf diese Weise belegen, statt das kugelförmige Brutnest vom Futterkranz zu trennen.
Wäre ich Biene, würde ich bei Platzmangel auf diese Form des Wohnens zurückgreifen - sozusagen eine klassische Einraumwohnung kreieren.... Doch noch sind nicht alle Rähmchen vollständig ausgebaut, mindestens in zwei Rähmchen fehlt je noch ein Viertel. Platz wäre also noch. Oder soll ich noch ein weiteres Rähmchen reinhängen? Andererseits lässt die Legeleistung der Königin mit der Sommersonnenwende bereits nach.
Immerhin haben die Bienen auf einer Wabe ein wunderschönes Pollenbrett in Gelb- und Grüntönen angelegt:

Manchmal braucht es keine Worte....
Manchmal braucht es keine Worte....

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Zugegeben, der Schirm ist ein Provisorium, aber besser als gar kein Sonnenschutz.
Zugegeben, als Schutz gegen die Hitze ist, der Schirm ein Provisorium. Aber besser als nichts.
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Das Wetter in Haltern am See.

Es ist sooo heiß! Unser Thermometer zeigt 36,4 °C an. Die benachbarten Bäume spenden meinen Völkern zeitweise Schatten, aber leider nicht zur sonnenintensiven Mittagszeit. Habe mal nachgeschaut, was unsere Garage noch so bietet und diesen alten Sonnenschirm gefunden, der nun Marlene und ihre Leute in der DN-Beute beschirmt.
Der Schwarm in der Trogbeute hat das leichte Welldach und als Isolationsraum noch die ca. 15 cm breitenunbesetzten Räume rechts und links. Die Fluglöcher ganz geöffnet, die Varroawindel entfernt und eine Bienentränke angeboten - mehr kann ich jetzt nicht tun.

Unsere Nachbarn beschirmen auch ihre Blumen.
Unsere Nachbarn beschirmen auch ihre Blumen.

Was machen die Bienen bei Hitze?
Normalerweise herrschen im Bienenstock Temperaturen zwischen 33 und 36 °C (selbst im Winter 20 bis 22 °C, was mich sehr fasziniert). Bienen sind also eigentlich richtige Sommertiere. Wenn es so heiß wird wie jetzt, stellen sich die Sammelbienen um. Weniger Nektar, viel mehr wasser muss ins Volk. Die Bienen verteilen es auf den Waben und fächeln mit den Flügeln, um die Luft zu kühlen.
Bei meiner Imkerpatin Daggi hängen gerade tausende Bienen wie ein Bart vor der Beute, um der Hitze im Stock zu entgehen.
Habe eben versucht, herauszufinden, wie heiß es im Bienenstock werden kann und ob es eine kritische Temperatur gibt, ab der Bienenvölker verbrausen. Bin nicht fündig geworden, vielleicht weil verschiedene Parameter wie Volksstärke, Beutengröße usw. unterschiedliche Bedingungen schaffen.
Ich vertrau` jetzt mal auf meine Bienen und hoffe, dass sie mit der Hitzewelle gut klar kommen.

Nachtrag
Heute Nacht gegen 0.30 Uhr soll ein heimkehrender Nachbar im Scheinwerferlicht seines Autos eine Frau im Schlafanzug gesehen haben, die bei Sturm und Wind den Schirm am Bienenstock eingeklappt hat....

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Endlich Stifte fotografiert. Würde ja mich ja gerne auf fotografisches Können berufen, war aber ein absoluter Glückstreffer.
Stifte und Rundmaden in verschiedenen Entwicklungsstadien. Würde mich ja gerne auf fotografisches Können berufen, aber das Foto ist mit meinen beschränkten Mitteln ein absoluter Glückstreffer.
Das Brutnest ist recht locker belegt. Oder sind nur gerade viele Bienen geschlüpft?
Das Brutnest ist recht locker belegt. Oder sind nur gerade viele Bienen geschlüpft?

Dieses Wetter! Wieder eine Woche, in der Temperaturen und häufige Niederschläge meine Bienen kaum zum Fliegen verlocken werden. Da Schwarm Helene bislang nur wenig Futter eingetragen hat, bekam das Volk gestern Abend noch einmal 1,5 l Zuckerlösung.
Eigentlich wollte ich nur schnell füttern, habe dann aber doch kurz durch die Rähmchen geblättert, um den Wildbau zu lösen. Stutzig machte mich, dass recht wenig verdeckelte Brut und noch viel weniger Rundmaden zu sehen waren. Stifte habe ich keine entdeckt (kann aber an meinen Augen liegen) - und auch die Königin nicht. Vermutlich habe ich sie trotz Zeichnung übersehen....

"Sieht etwas komisch aus, mit ihrer Zeichnung", kommentierte denn auch meine Tochter.
Königin Helene ist auch da - soweit ist alles in Ordnung.

Stifte im Gegenlicht erkannt
Also haben wir heute noch einmal zu zweit und in Ruhe geschaut - und ich muss sagen, ich habe zum ersten Mal die ganz jungen Stifte gesehen! Das ging aber nur mit Brille hochschieben, Auge zukneifen und Wabe gegen die Sonne halten....
"Her Majesty Helene" ließ sich auch blicken. Allerdings finde ich den Wabenbau (zehn Rähmchen, davon die meisten nicht komplett ausgebaut) und das löchrige Brutnest etwas mau für einen Schwarm, der schon seit fünfeinhalb Wochen einlogiert ist. Oder ist das normal? (Der Schwarm in der Bienenkiste hatte vor zwei Jahren wesentlich mehr gebaut.) Liegt es an fehlender Tracht? Hätte ich mehr füttern müssen? Welche Erfahrungen habt Ihr gemacht?

Ein Blick auf das Gemüll vom Schwarm Helene: So viele säuberlich abgesäbelte Käppchen von Brutzellen habe ich noch nie gesehen.
Helenes Arbeiterinnen sind sehr ordentlich. Ein Blick auf das Gemüll belegt es: So viele säuberlich abgesäbelte Käppchen von Brutzellen habe ich noch nie auf einmal gesehen. Glücklicherweise sind auch keine Varroamilben da.

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So sieht eine glückliche Jungimkerin aus!

Heute gibt es mangels eines Hauptthemas mal "dies und das" vom Bienenstand. Meine Tochter hat mich nach längerer Zeit zu den Bienen begleitet - und wie man sieht, hatte sie Spaß dabei. Zu Zweit ist es einfach schöner.

Helenes Volk baut wilde Wachsbrücken zwischen den Rähmchen. Zerstöre ich sie nicht, werde ich bald kein Rähmchen einzeln ziehen können.
Helenes Volk baut wilde Wachsbrücken zwischen den Rähmchen. Zerstöre ich sie nicht, werde ich bald kein Rähmchen einzeln ziehen können.

Blick auf die Völker
Wir haben in beiden Völkern die Rähmchen kontrolliert. Bei Königin Helene war es einfach nötig, die Rähmchen zu ziehen, damit die Wachsbrücken im Wildbau nicht zu stark werden.
Bei Marlene haben wir zwei besetzte Weiselzellen gefunden und herausgebrochen. Im Honigraum sind immerhin fünf Waben gut mit Honig gefüllt. Habe schon etwas neidisch auf andere Imker geblickt, die reichlich Frühtrachthonig ernten konnten und bald ein zweites Mal schleudern werden. Aber auch sie haben Völker, die nicht so gut honigen. Wer weiß, woran es liegt? An der Königin, an der Tracht?
Und wie schnell die Zeit voranschreitet. Um den 21. Juni, dem Tag der Sommersonnenwende, erreichen die Bienenvölker ihre größte Volksstärke. Das stimmt mich fast melancholisch. Immerhin, der Sommer liegt noch vor uns.