Imkern mit Pia Aumeier

Pia Aumeiers Seminar: "Völker gesund, stark mit ausreichend Futter und jungen Königinnen einwintern", hatte ich bereits im vergangenen Jahr besucht, aber sie spricht so interessant, dass es nie langweilig wird. Dazu beantwortet sie wirklich jede Frage - man muss sich nur trauen, sie zu stellen.
Pia Aumeiers Seminar: "Völker gesund, stark mit ausreichend Futter und jungen Königinnen einwintern", hatte ich bereits im vergangenen Jahr besucht, aber sie spricht so interessant, dass es nie langweilig wird. Dazu beantwortet sie wirklich jede Frage - man muss sich nur trauen, sie zu stellen.

Da hat mich Pia Aumeier (Bienenforscherin von der Ruhr-Universität Bochum - Verhaltensbiologie und Didaktik) ja gestern schön aus dem Dornröschenschlaf geweckt! Während der Imkerschulung in Recklinghausen öffnete sie eines der mitgebrachten Völker und fand viele Drohnen. Aufgemerkt: Auch ich beobachte bei Marlene noch regelmäßig Drohnen vor dem Flugloch, die auch eingelassen werden.

m Oktober noch Drohnen samt Drohnenbrut - damit verrät sich ein Drohnenmütterchen.
m Oktober noch Drohnen samt Drohnenbrut - damit verrät sich ein Drohnenmütterchen.

Drohnenbrütiges Volk
Pias Volk ist drohnenbrütig, wir haben eine tote Jungkönigin gefunden. Also haben sich die Arbeiterinnen entschlossen, selbst Eier zu legen und da sie ja nicht befruchtet wurden, können daraus nur Drohnen entstehen (dass aus unbefruchteten Eiern überhaupt etwas entsteht, ist ja schon ein Wunder!). Daher also die ungewöhnlich hohe Zahl an Herren auf den Waben.
Es gab sogar zwei Weiselzellen, die uns Jungimker hoffnungsvoll stimmten, aber Pia Aumeier belehrte uns eines besseren. Vorsichtig pulte sie eine auf und packte einen bereits verpuppten Drohnenkönig aus! Erkennbar an den großen Augen, gefüttert mit Gelée Royal. Doch bevor er schlüpfen könne, würde er sterben, so die Fachfrau - und warf ihn sich in den Mund!!! Da ich gerade mitschrieb, hatte ich das nicht mitbekommen, wurde nur durch die erschrockenen Laute der anderen aufmerksam....

Die verendete Jungkönigin lag auf dem Beutenboden.
Die verendete Jungkönigin lag auf dem Beutenboden.

Ist eben Eiweiß pur! Ich konnte mich noch nicht dazu durchringen, Maden oder Puppen zu probieren. Aber ich sage immer, wer weiß, was unsere Enkel einmal essen werden? Bis dahin gibt es sicherlich ganz andere Ernährungsgewohnheiten, und die Scheu vor Insekten hierzulande sicher nicht mehr so groß sein. Und mal ganz ehrlich, Krabben sind nun auch kein appetitanregender Anblick.

Drohnenbrütiges Volk auflösen
Was also tun, mit einem drohnenbrütigen Volk im Oktober? Zum Heranziehen einer neuen Königin ist es zu spät - sie würde nicht mehr begattet. Eine vorhandene Königin einfach in das Volk einsetzen, geht auch nicht. Denn die Drohnenmütterchen haben revoltiert und die Anarchie ausgerufen: Sie fühlen sich selbst als Königinnen. Was brauchen sie da eine echte Königin? Die wird abgemurkst! Die Drohnenmütterchen zu finden, ist fast unmöglich, weil sie sich nur schwer von den normalen Arbeiterinnen unterscheiden lassen.

Ist er nicht schön, der Drohnenkönig? Und lecker?! Pia Aumeier hat ihn gegessen....
Ist er nicht schön, der Drohnenkönig? Und lecker?! Pia Aumeier hat ihn gegessen....

Volk in Entfernung zum Stand abfegen
Bleibt nur, das drohnenbrütige Volk mit einem anderen, z.B. einem Ableger zu vereinigen. Doch wie schafft man es, dass die Drohnenmütterchen draußen bleiben? Dazu transportiert man bei gutem Flugwetter die Beute 200 m weg und stellt die Beute mit dem aufnehmenden Ableger auf den alten Platz der Drohnenbrütigen. Diese werden nun abgefegt. Die Bienen machen sich auf den Weg zu ihrem alten Standplatz und betteln sich beim Ableger ein.
Ein Häufchen Bienen wird zurückbleiben, welches man aber auf keinen Fall per Hand-Direkttransfer in den Ableger tragen darf. Das sind nämlich die Drohnenmütterchen, die durch ihren vergrößerten Hinterleib nicht mehr fliegen können und leider eingehen werden.
Die Beute mit dem Ableger kann man jetzt mit (Futter-) Rähmchen aus dem drohnenbrütigen Volk auffüllen. Drohnenbrutwaben werden entfernt und eingeschmolzen.

So ein schöne Nachmittag!
Erstaunlich, was Pia Aumeier alles an "Geraffel" zu ihren Schulungen mitbringt - sogar komplette Völker.

Was ist mit unserem Volk los?
Na toll, ich verspürte den Drang, sofort nach Hause zu fahren und nachzusehen. Aber die Veranstaltung am Lehrbienenstand Recklinghausen ging bis 18 Uhr und da beginnt es ja fast schon zu dämmern. Also hatten mein Mann (der mich erstmals begleitete), genügend Zeit zu überlegen, wie wir vorgehen, falls mein Volk tatsächlich drohnenbrütig sein sollte. Heute früh meinte er dann, zwei Völker seien doch wirklich zu wenig, wenn ich richtig wirtschaften wolle - da müssten es schon wenigstens fünf sein! Maaal schauen!
Jedenfalls war es gestern ein wunderschöner Nachmittag, wir haben in der herrlich warmen Sonne gesessen und Pia Aumeier zuzuhören, macht einfach Spaß, weil sie so lebendig erklärt. Nun habe ich noch einiges an "Futter" für den Blog und schreibe morgen, was ich heute bei unseren Bienen gesehen habe. Also: Fortsetzung folgt!
P.S. Wer noch lesen möchte, kann in Pia Aumeiers Dropbox schmökern. Ordner 6 und 7 sind für diese Jahreszeit aktuell.

8 Gedanken zu “Imkern mit Pia Aumeier

  1. Barbara Thormeyer

    Heute haben wir einen Schwarm eingefangen. Wie müssen wir ihn in der Zarge, in die wir den Schwarm heute abend reintun, behandeln. Milchsäure, Mittelwände, Futter?
    Vielen Dank für eine Antwort

    Barbara Thormeyer

    Antwort
    1. Gerburgis Sommer

      Beitragsautor

      Hallo Barbara,
      entschuldige bitte, im Moment kann ich mich nicht so um den Blog kümmern, wie ich es mir wünschte. Deshalb habe ich Deine Anfrage auch erst heute gelesen. Ich hoffe, das Einschlagen des Schwarms hat gut geklappt? Aus der Ferne ist es immer schwierig Tipps zu geben, z.B. bezüglich des Futters. Sollten bei Euch die Flugbedingungen schlecht sein, müsstest Du zufüttern...
      Habe einen Link herausgesucht, der viele Tipps rund um den Schwarmfang gibt. Am Ende steht auch etwas zur Milchsäurebehandlung: https://www.lwg.bayern.de/mam/cms06/bienen/dateien/schwarmbehandlung.pdf.
      Liebe Grüße
      Gerburgis

      Antwort
  2. Anni

    Hallo,
    schöner Artikel. Wäre klasse gewesen, noch mehr auf die Erkennungsmerkmale einer solchen "Drohnenflöte" ( Weiselzelle mit Drohnenkönig) einzugehen.
    Wie erkennt der Jungimker, dass es sich hierbei nicht um eine Schlupffähige Königin handelt?
    Lieeb Grüße: Anni

    Antwort
    1. So

      Beitragsautor

      Hallo Anni,
      den Begriff "Drohnenflöte" höre ich zum ersten Mal. Ich glaube nicht, dass Pia Aumeier ihn erwähnt hat, aber ich kriege manche Dinge nur mit halbem Ohr mit, weil ich nebenher fotografiere und fleißig mitschreibe. Aber ich recherchiere das mal nach und erkläre es im nächsten Post. So viel weiß ich schon: Die Drohnenflöte ist schmaler als die normale Weiselzelle. Danke für den Hinweis!
      Viele Grüße
      Gerburgis

      Antwort
      1. So

        Beitragsautor

        So schnell geht`s jetzt doch nicht. Sobald ich ein gutes Foto von einer Drohnenflöte habe, schreibe ich was dazu.

        Antwort
      1. Danke 🙂 Ist noch am werden ... habe - nach zwei Jahren des Lesens - in diesem Sommer mit den Bienchen begonnen und wollte meinen Lernprozess gleich im Blog festhalten. Ist aber am werden ... 😉 Wenn du an einem richtigen Linktausch interessiert bist, würde ich mich freuen.

        Antwort

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