Natürlich gespeister Wärmeschrank

Die natürliche Kraft der Sonne ausgenutzt im Auto: Unter "kontrollierten Bedingungen" wird der feste Honig wieder flüssig.
Die natürliche Kraft der Sonne ausgenutzt im Auto: Unter "kontrollierten Bedingungen" wird der feste Honig wieder flüssig.

Zwei, drei Gläschen von der Frühtracht aus dem vergangenen Jahr lagern noch im Keller, "gut" durchkristallisiert, nur obenauf schwimmt noch eine dünne flüssige Honigschicht. Ich mag Honig am liebsten flüssig, zur Not auch cremig; aber grob kristallisierten Honig mag ich gar nicht.

54 °C, so heiß darf Honig nicht werden!
54 °C, so heiß darf Honig nicht werden!

Wie wird fester Honig wieder flüssig?
Kristallinen Honig kann man wieder "auftauen", indem man ihn mittels Wasserbad, Wärmeschrank oder Heizdecke vorsichtig erwärmt. Das ist mir aber für zwei Gläschen zu aufwendig oder ich besitze die Materialien nicht. Als ich im heißen Auto schwitzte, kam ich auf die Idee, die Wärme zum Honigschmelzen zu nutzen....
Also erst einmal mit dem Thermometer geprüft, wie heiß es im Auto so werden kann. Hui! Überraschung: bei 30,5 °C außen, werden es  54,7 °C innen. Das ist mir und dem Honig zu heiß! Denn Honig darf nicht wärmer als 40 °C werden, da sich durch Wärme aus Fruchtzucker HMF (Hydroxymethylfurfural) bildet. Dieser Stoff stand in Verdacht, krebserregend und erbgutschädigend zu wirken. Doch das Bundesinstitut für Risikobewertung stellte 2011 fest, dass HMF kein besonders ausgeprägtes toxisches Potential besitzt.
Dafür ist das Vorkommen von HMF in Honig und auch anderen Lebensmitteln wie Kaffee, Milch, Fruchtaufstriche und Konfitüren ein Indiz für zu starke meist thermische Behandlung.

... und jetzt ist er wieder flüssig!
... und jetzt ist er wieder flüssig!

Honig kühl lagern
In frisch geschleudertem Honig ist es nur gering vorhanden und steigt bei korrekter Lagerung um 2 bis 3 mg/kg pro Jahr an. Der HMF-Grenzwert für EU-Honig liegt bei maximal 40 mg/kg Honig. Der Deutsche Imkerbund erlaubt nur höchstens 15 mg/kg Honig. Wird Honig kühl gelagert, das heißt unter 14 °C, steigt der HMF-Wert nur gering an, je nach Honigsorte um 3-6 mg pro kg und Jahr. Liegt die Lagertemperatur dagegen über 21 °C, kann der HMF-Gehalt in einem Jahr bereits auf 20 mg und bei 70 °C innerhalb von 20 Stunden auf Werte von 80 mg ansteigen. Deshalb also aufgepasst: Im Auto können bei 35 °C Außentemperatur innen leicht 60 °C erreicht werden.... Ehrlich, das ist nur eine Methode für meinen persönlichen "Hausgebrauch"! Das Thermometer zeit zwar 48 °C, aber im Honig war die Temperaturen niedriger, weil ich ihn nur wenige Stunden darin belassen habe. Außerdem musste ich die Gläser öffnen und den Honig umrühren. Verkaufen oder verschenken werde ich ihn nicht. Dieser Post fällt also eher unter die Kathegorie "Nicht nachmachen!" Aber ich habe durch das Experiment meine Kenntnisse über HMF vertieft.
Übrigens, testen kann man den HMF-Gehalt nur im Labor, schädlich scheint es auch nicht zu sein. Warum also der Wirbel? Weil durch hohe Temperaturen wertvolle Inhaltsstoffe des Honigs, wie Enzyme zerstört werden können.

Ein Gedanke zu “Natürlich gespeister Wärmeschrank

  1. Die Auto-Idee ist gut, davon hatten mir andere Imker schon erzählt, dass wenn sie sich zum gemeinsamen Schleudern treffen, der Honig im Auto erst mal gut durch durchwärmen lassen, damit er sich besser Schleudern lässt ... Aber als Wärmeschrank lässt sich das Auto auch nutzen 😉 man könnte dies über Thermostate vielleicht noch so optimieren, dass bei bestimmten Schwellwerten erst die Fenster einen Spalt geöffnet werden und irgendwann die Klimaanlage anspringt ... Ich befürchte nur, die Ökobilanz ist schrecklich 😉 viele Grüße, Christian von http://bienen-honig.de

    Antwort

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.