Wildbienen in Wohnungsnot

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Hohle Bambusstängel sind ein tolles Baumaterial für Wildbienenhotels.

Den Arm voller Bambus, der wegen einer Baustelle weichen muss! So ein Glück! Am Sonntag beschlossen wir, für eine Familienfreizeit einen Workshop zum Bau von Bienenhotels anzubieten. Drei Tage später entdeckte ich den Bambus, dessen Stängel gute Nisthilfen abgeben.
In dieser Woche scheint es sich alles um Wildbienen zu drehen. Habe einen Vortrag über Wildbienen gehört und wertvolle Tipps für den Bau von Nisthilfen erhalten. Über die Veranstaltung verfasste ich für die Halterner Zeitung den folgenden Bericht:

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Eine selbstgebaute Nist- hilfe  weckte Volker Fockenbergs Interesse für Wildbienen.

Wildbienen suchen Niströhren
Mauerbiene, Goldwespe, Seiden- und Zottelbiene waren zu Gast im Heimathaus Lippramsdorf. Zumindest auf den brillianten Fotos, mit denen Volker Fockenberg zu einem Ausflug in seinen Garten einlud. Schon die Namen der Wildbienen verraten viel über ihr Aussehen und ihre Vorlieben. Und mit denen kennt sich Volker Fockenberg aus. Seit über 30 Jahren schwärmt er für Wildbienen und engagiert sich mit seinem Planungsbüro in Bottrop-Kirchhellen für den Artenschutz. Die Naturschutzgruppe des Heimatvereins Lippramsdorf konnte ihn als Referenten gewinnen und stieß damit bei 35 Besuchern auf großes Interesse.

560 Wildbienenarten in Deutschland
„In Deutschland gibt es 560 Wildbienenarten, die im Gegensatz zur Honigbiene nicht in Staaten leben“, führte der Referent aus, „die Hälfte davon ist auf eine Pflanzenfamilie spezialisiert, wie die Weidenseidenbiene oder die Glockenblumenbiene.“ Deshalb sei es so wichtig, eine Pflanzenvielfalt anzubieten. Eine Blumenwiese ist ein Schlaraffenland für Bienen, Schmetterlinge, Grashüpfer und weitere Insekten. Ein Thema, das die Teilnehmer sehr interessierte. Einige haben an Kugeldisteln, Herzgespann und Teefenchel viele Bienen beobachtet.
Zudem sind Wildbienen wichtige Bestäuber, auf die zahlreiche Wild- und Kulturpflanzen angewiesen sind. „30 Prozent unserer Nahrung ist von der Arbeit der Bienen abhängig“, verdeutlichte Volker Fockenberg die Bestäubungsleistung. Dabei währt die Lebensspanne der Wildbienen nur kurz. Die Weibchen werden bis zu sechs Wochen, Männchen nur drei bis vier Wochen alt.

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Volker Fockenberg brennt diese Nisthilfen aus Ton mit Sonnenenergie und verkauft sie unter www.wildbienen.com.

Wildbienen nutzen Fertighäuser
„Viele Wildbienen brauchen Fertighäuser. Sie nutzen die Fraßgänge von Käfern in totem Holz, um ihre Eier abzulegen. Dabei bekommt jedes Ei eine einzelne Brutkammer, die mit so genanntem „Bienenbrot“, bestehend aus Pollen und Nektar, bestückt wird. Nach etwa sechs Wochen verpuppen sich die Larven und überwintern, bis sie fast ein Jahr später herauskrabbeln, um sich ihrerseits zu vermehren“, beschrieb der Naturpädagoge das Brutverhalten.
Da natürliche Lebensräume wie offene Sandböden oder totholzreiche Wälder selten geworden sind, motivierte er, die Wohnungsnot der Wildbienen mit Nisthilfen lindern. „10 bis 15 verschiedene Wildbienenarten können Sie an Ihrem Bienenhotel erwarten“, machte Volker Fockenberg Lust auf die Beobachtung der Insekten.
Übrigens: Stiche der Wildbienen sind nicht zu fürchten. Da sie einzeln leben und kein Volk zu verteidigen haben, sind sie sehr friedlich. Zudem ist ihr Stachel so dünn, dass er die menschliche Haut nicht durchdringt.

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Wildbienen legen ihre Eier im Sommer ab und verschließen die Zellen. Die Brut verpuppt sich, überwintert, und erst ein knappes Jahr später schlüpfen die jungen Bienen.

Wildbienenschutz im Garten
• Beim Kauf von Blumen auf gefüllte Blüten verzichten, denn sie bieten nur wenig oder gar keinen Nektar. Typische Bauerngartenpflanzen und Kräuter sind ideal.
• Geschossenes Gemüse nicht entfernen, sondern zur Blüte kommen lassen.
• Bei den Blühzeiten auf den Hochsommer achten. Denn dann gibt es eine Blühlücke, die für viele Wildbienen den Tod bedeutet.
• Nisthilfe aus Holz: Trockene Baumscheiben aus Hartholz mit 2 – 12 mm breiten und 4- 8 cm tiefen Bohrlöchern versehen.
• Nisthilfe mit Lehm: Blumenkästen mit Lehm füllen und nach dem Trocknen Löcher hineinbohren. Die Nisthilfen an einem sonnigen und trockenen Standort aufhängen.

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